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Medizin

Neues Medikament gegen die Gicht

Mittwoch, 17. Juni 2009

Washington – Gentechnische Versionen des Enzyms Uricase könnten die Harnsäurespiegel auch bei jenen Menschen senken, die auf andere Gichtmedikamente nicht ansprechen. Das erste derartige Medikament wird demnächst in den USA zugelassen.

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Menschen sind neben einigen Menschenaffen die einzigen Säugetiere, die an einer Gicht erkranken können. Schuld ist ein Webfehler in der Evolution. Während der Entwicklung zum Primaten kam es zu einer Mutation im Gen für die Uratoxidase (Uricase), mit der die Fähigkeit verloren ging, Harnsäure zu Allantoin abzubauen. Das Defekte Gen ist übrigens noch im Erbgut des heutigen Menschen nachweisbar. 

Das Enzym Uricase lässt sich gentechnisch herstellten. Da es wie alle Enzyme ein Protein ist, würde es aber nach parenteraler Gabe schnell von den Proteasen im Blut zerstört. Erst die Koppelung an Polyethylenglycol (PEG) machte einen Einsatz als Medikament möglich. Eine solche „pegylierte“ Uricase ist Pegloticase. Sie wurde von Forschern der Duke Universität in Durham/North Carolina entwickelt.

Die klinische Entwicklung hat Savient Pharmaceuticals in EastBrunswick/New Jersey übernommen. Der Wirkstoff ist wie erwartet in der Lage, die Harnsäurespiegel deutlich zu senken. Dennoch war die Zulassung nicht sicher. Denn in den klinischen Studien hatte es Hinweise auf schwere kardiovaskuläre und allergische Reaktionen gegeben. 

Der Hersteller entschied sich deshalb, die Zulassung für Krystexxa® nur für eine kleine Gruppe jener Patienten zu beantragen, bei denen sich die Hyperurikämie nicht mit anderen Mitteln behandeln lässt. Das sollen ein Prozent aller Patienten oder schätzungsweise 50.000 Menschen in den USA sein. Auch die Notwendigkeit den Wirkstoff alle zwei Wochen intravenös zu applizieren, dürfte dazu beitragen, dass Pegloticase vorerst keine breite Anwendung finden dürfte. 

Auf einer Tagung des Arthritis Advisory Committee der FDA haben sich externe Gutachter jetzt mit 14 gegen eine Stimme für eine Zulassung ausgesprochen. Dieses Votum ist für die FDA nicht bindend, in der Regel folgt die Zulassungsbehörde jedoch dem Rat ihrer Berater. Neben Savient arbeiten noch andere Gruppen an der Entwicklung pegylierter Uricasen. Dazu gehört beispielsweise EnzymeRx aus Paramus in New Jersey. 

Solange diese Medikamente parenteral appliziert werden müssen, werden sie die traditionellen Medikamente nicht verdrängen. Mittel der Wahl ist hier weiterhin Allopurinol, das durch Hemmung der Xantinoxidase die Bildung von Harnsäure hemmt.

Allopurinol wird seit den 60er-Jahren zur Behandlung der Hyperurikämie eingesetzt. Im letzten Jahr erhielt mit Febuxostat ein weiterer Xantinoxidase-Hemmer von der EMEA eine Zulassung. Im Februar dieses Jahres folgte die US-Zulassung. © rme/aerzteblatt.de

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