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Studie widerlegt Existenz eines Depressions-Gen

Mittwoch, 17. Juni 2009

Bethesda – Ob Menschen auf Lebenskrisen mit einer Depression reagieren, scheint doch nicht in den Genen festgelegt zu sein. Dies zeigt eine Meta-Analyse im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2009; 301: 2462-2471), welche die Ergebnisse einer früheren einflussreichen Studie nicht reproduzieren kann. 

Die Studie, die der Genetiker Terrie Moffitt, damals noch am King’s College in London, vor sechs Jahren in Science (2009; 301: 386-389) publizierte, hatte ein erhebliches Medieninteresse ausgelöst. Die Forscher glaubten damals herausgefunden zu haben, dass Varianten im Serotonin-Transporter-Gen erklären, ob ein Mensch Lebenskrisen wie Scheidung, sexuelle Gewalt oder Insolvenz mental bewältigen kann oder an einer schweren Depression erkrankt.

Die Entdeckung hätte weit reichende Konsequenzen gehabt. Mit einem Gentest, dessen Entwicklung tatsächlich in der Diskussion war, könnten Privatpersonen ihre Stressresistenz untersuchen. Arbeitgeber könnten prüfen lassen, ob Bewerber für eine anspruchsvolle Tätigkeit geeignet sind oder nicht. Doch dazu wird es jetzt nicht kommen. Eine Forschergruppe um Kathleen Merikangas vom US-National Institute of Mental Health in Bethesda konnte die Ergebnisse Moffitts nicht bestätigen. 

Die neue Meta-Analyse umfasst neben der Untersuchung Moffitts noch 13 weitere Studien. Und auf der Basis von nunmehr etwa 12.500 Personen kommt Merikangas zu dem Schluss, dass die Ergebnisse von Moffitt vermutlich doch ein Zufallsergebnis waren. Damit ist die Frage, warum einige Menschen Lebenskrisen besser überwinden als andere wieder offen. 

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Gleichwohl bestätigen die Ergebnisse, dass äußere Einflüsse einen deutlichen Einfluss auf die Entstehung der Depression haben. Die Lebenskrisen erhöhten das Risiko eine Depression um 41 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,25-1,57).

Moffitt, der jetzt an der Duke Universität in Durham/North Carolina tätig ist, hält an seiner Hypothese fest. Die neue Meta-Analyse ignoriere weitgehend die zahlreichen Laborstudien, die einen Einfluss des Serotonin-Transporters auf die Krankheitsanfälligkeit plausibel machen würden. Mitautor Avshalom Caspi, ebenfalls Duke Universität, glaubt dass weitere Studien auf diesem Gebiet sinnvoll sind. © rme/aerzteblatt.de

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