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Erhöhtes Schlaganfallrisiko von Hodgkin-Überlebenden

Donnerstag, 18. Juni 2009

Amsterdam – Überlebende eines Hodgkin-Lymphoms erleiden, offenbar als Spätfolge der Strahlentherapie, häufig schon im frühen Lebensalter einen Schlaganfall. Dies zeigt eine Kohortenstudie im Journal of National Cancer Institute (JNCI 2009: 101: 928-937), wo ein Editorialist sich für den Verzicht der Radiotherapie ausspricht.

Die Behandlung des Hodgkin-Lymphoms gehört zu den größten Erfolgen der Onkologie. Die  unbehandelt tödlich verlaufende Erkrankung kann im Frühstadium fast immer geheilt werden. Die Strahlentherapie war lange die bevorzugte Behandlung, bis sich herausstellte, dass eine Kombinationschemotherapie ebenfalls exzellente Ergebnisse erzielt.

Die Radiotherapie wurde in den letzten Jahren zurückgedrängt, nachdem klar wurde, dass die Strahlenexposition eine Reihe von negativen Spätfolgen hat. Dazu gehört eine erhöhte Rate von Krebserkrankungen (vor allem Mammakarzinome nach der früher üblichen Mantelfeldbestrahlung) und ein erhöhtes Herzinfarktrisiko, wie Dan Longo von US-National Institute on Aging im Editorial (JNCI 2009, 101: 904-905) berichtet. 

Als weiteres Risiko kommt jetzt noch eine erhöhte Rate von transitorischen ischämischen Attacken (TIA) und Schlaganfällen hinzu, wie Flora van Leeuwen vom Nederlands Kanker Instituut in Amsterdam an einer Kohorte von Patienten belegt, die in den Jahren 1965 bis 1995 behandelt wurden, als die Radiotherapie noch im Vordergrund stand.

Die 2.201 Patienten waren damals 50 Jahre oder jünger. Im Durchschnitt 17,5 Jahre später erlitten 96 (also über 4 Prozent) einen Schlaganfall oder eine TIA oder beides. Frau van Leeuwen errechnet eine standardisierte Inzidenzrate von 2,2 für den Schlaganfall und 3,1 für die TIA (die beide signifikant sind).

Dies bedeutet, dass Hodgkin-Überlebende 2-fach beziehungsweise 3-fach häufiger an zerebrovaskulären Ereignissen erkranken als Gleichaltrige aus der Allgemeinbevölkerung. Die Autorin vermutet, dass 7 Prozent aller Patienten in den ersten 30 Jahren nach der Therapie eines Hodgkin-Lymphoms an einem Schlaganfall oder eine TIA erkranken und viele darin sterben werden. Die weitere Analyse deutet klar auf die Radiotherapie als Ursache der zerebrovaskulären Ereignisse hin, auch wenn eine Aufgliederung nach der Strahlendosis in der Studie nicht erfolgte. 

Dagegen war eine Chemotherapie in der Studie nicht mit einem erhöhten Risiko assoziiert. Für Longo steht damit fest, dass die Radiotherapie eine „kurzsichtige“ Therapie des Hodgkin-Lymphoms ist. Den Patienten würden zwar die Strapazen einer kombinierten Chemotherapie erspart, auf lange Sicht würden aber Gesundheit und Leben stärker gefährdet als durch eine Chemotherapie. Auch die heutige Strategie, die Radiotherapie in ein multimodales Konzept einzubinden, hält Longo für falsch. © rme/aerzteblatt.de

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