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ALL: Erfolgreiche Therapie ohne Schädelbestrahlung

Donnerstag, 25. Juni 2009

Memphis/Tennessee – Die prophylaktische Schädelbestrahlung, einstmals ein Meilenstein in der Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) im Kindesalter, wird wegen ihrer Spätkomplikationen heute nach Möglichkeit vermieden. Eine jetzt im New England Journal of Medicine (NEJM 2009: 360: 2730-2741) publizierte Studie verzichtete erstmals vollständig auf die Bestrahlung – und erzielte die besten bisher erreichten Therapieergebnisse.

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Eine prophylaktische Schädelbestrahlung war früher Standard in der Behandlung der ALL, da viele Zytostatika die Bluthirnschranke nicht passieren und der subklinische Befall des Gehirn häufiger Ausgangspunkt von Rezidiven war. Die Einführung der Schädelbestrahlung verbesserte die Heilungsraten bei der ALL von 4 auf 50 Prozent, erinnert Ching-Hon Pui vom St. Jude Children's Research Hospital in Memphis/Tennessee (wo diese Therapie erstmals eingeführt wurde).

Die hochdosierte Radiotherapie hat jedoch negative Folgen auf die kognitive Hirnentwicklung, weshalb sie nach Möglichkeit vermieden wird. Möglich wurde dies durch eine intrathekale Applikation der Zytostatika. Dennoch erhalten an den meisten Zentren etwa 20 Prozent der Patienten eine Schädelbestrahlung.

Die Total Therapy XV Studie ist nach Aussage von Pui die erste, die bei allen Patienten auf eine Schädelbestrahlung verzichtete. Möglich wurde dies durch die Bestimmung der minimal residual disease (MDR), also die Erfassung von Krebszellen, die die Chemotherapie überlebt haben. Die MDR hat Änderungen des weiteren Therapieschemas zur Folge. Am Ende lag die 5-Jahresrate eines ereignisfreien Überlebens der 498 Studienteilnehmer bei 85,6 Prozent und die 5-Jahresüberlebensrate betrug sogar 93,5 Prozent.

Das sind nach Auskunft von Pui die besten jemals bei der ALL erreichten Ergebnisse – was nicht ausschließt, dass sie nach Anwendung einer Schädelbestrahlung noch besser gewesen wären. 2,7 Prozent der Patienten erlitten ein ZNS-Rezidiv. Piu vertritt die Ansicht, dass diese Fälle auch mit Schädelbestrahlung nicht vermieden worden wären.

Er schließt dies aus der Analyse der Ergebnisse von 71 Patienten, die nach früheren Therapieschemata eine Schädelbestrahlung erhalten hätten. Die Ergebnisse seien besser als in einer historischen Kontrolle von 56 Patienten, die tatsächlich eine ZNS-Bestrahlung erhielten. © rme/aerzteblatt.de

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