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Teure Pflegeheime nicht besser als günstige

Dienstag, 30. Juni 2009

Berlin – Teure Pflegeheime sind nicht zwangsläufig besser als günstige Anbieter. Als einen Grund dafür nennt der neue „Pflegeheim Rating Report“, den das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) am Montag in Berlin vorstellte, den derzeit kaum ausgeprägten Qualitätswettbewerb zwischen den Heimen. Wirtschaftlich gehe es den Pflegeheimen immerhin besser als Krankenhäusern und Reha-Kliniken. 

Zwar sind dem Bericht zufolge teurere Heime baulich besser ausgestattet und bieten auch eine bessere soziale Betreuung. Bei der Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit, der Sondenernährung oder der Versorgung von Demenzkranken schnitten sie jedoch nicht nachweisbar besser ab als günstige Anbieter. Auch regional seien die Preisunterschiede enorm. Besonders teuer seien Heime unter anderem in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, während sie in Ostdeutschland und Niedersachsen günstig sind.

Im Vergleich zum Jahr 2007 hat sich die wirtschaftliche Lage der Pflegeheime kaum verändert. Für jedes siebte der insgesamt rund 11.000 Heime besteht demnach eine erhöhte Insolvenzgefahr, 72 Prozent befinden sich finanziell im grünen Bereich. Bis 2011 rechnen die Experten wegen der Finanzkrise und der sinkenden Auslastung mit einer leichten Verschlechterung der Lage. Langfristig sei aber eine stabile Situation zu erwarten. Risiken sieht der Report allerdings in einem hohen Mindestlohn für Pflegekräfte und dem damit verbundenen Kostenanstieg sowie im Preisdruck durch einen stärkeren Wettbewerb.

Nach Ansicht der RWI-Experten sollten sich Heime künftig stärker auf die Bedürfnisse bestimmter Patientengruppen einstellen. Je nach Budget des Pflegebedürftigen seien beispielsweise Standard- und Premiumpakete mit Zusatzleistungen denkbar.

Künftig gelten für alle Pflegeheime neue Qualitätsprüfungen. Ab Juli sollen die ersten Heime mit Schulnoten bewertet werden. Darauf hatten sich der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Heimträger geeinigt. Die Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) sollen dann jedes Heim jährlich unangemeldet kontrollieren und dabei einen Katalog von 82 Einzelpunkten abfragen. Am Ende steht eine Gesamtnote, die sich an das Schulnotensystem anlehnt.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) kritisierte das Verfahren als „sehr Mangelhaft“. Die tatsächliche Pflegequalität von Heimen werde verschleiert, weil aus Einzelnoten für vier Teilbereiche eine Durchschnittsnote ermittelt werde, sagte Verbandspräsident Adolf Bauer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Montag. „So entsteht keine echte Transparenz.“

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums wies die Kritik zurück. Eine gute Versorgung mit Essen und Trinken zum Beispiel könne auf keinen Fall eine schlechte Pflegequalität aufheben, weil diese „viel stärker gewichtet wird“, sagte sie vor Journalisten in Berlin. Laut Ministerium sollen die Erfahrungen mit den Prüfkriterien bis Ende 2010 außerdem wissenschaftlich ausgewertet werden und dann in das Bewertungssystem einfließen.

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, betonte, die Pflegenoten ermöglichten eine schnelle Erstorientierung. Durch die 82 Einzelkriterien sei dann auch eine differenzierte Bewertung möglich. „So viel Transparenz, wie wir jetzt bekommen, gab es in diesem Bereich noch nie“, betonte Lanz. © afp/aerzteblatt.de

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