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Politik

Sachverständigenrat sieht hausärztliche Versorgung gefährdet

Mittwoch, 1. Juli 2009

Berlin – Bei der Grundversorgung von Kranken könnten nach Einschätzung von Experten künftig womöglich Engpässe auftreten. Die Nachhaltigkeit der hausärztlichen Versorgung erscheine unter anderem wegen drohenden Nachwuchsmangels „nicht gesichert“, heißt es in einem aktuellen Gutachten, das der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen am Dienstag Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) übergab. „Die hausärztliche Versorgung steht in Deutschland wie auch in vielen anderen entwickelten Ländern vor erheblichen Herausforderungen“, mahnt der Sachverständigenrat.

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Zur Begründung verweist das siebenköpfige Gremium auf die Zunahme chronischer Krankheiten, die wachsende Zahl von Patienten mit mehreren Erkrankungen und einen „bereits deutlich erkennbaren Nachwuchsmangel“ bei Hausärzten. Notwendig seien unter anderem Reformschritte bei Aus- und Weiterbildung der Allgemeinmediziner, empfehlen die Sachverständigen in ihrem Sondergutachten „Koordination und Integration – Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens“.

So könne beispielsweise ein „Pflichtquartal Allgemeinmedizin“ im Praktischen Jahr der angehenden Ärzte eingeführt werden, um „die Sichtbarkeit und empfundene Relevanz der Allgemeinmedizin innerhalb des Medizinstudiums“ zu verbessern.

Zugleich plädiert der Sachverständigenrat für Reformen bei der fachärztlichen Versorgung als wichtigem Bindeglied zwischen der Behandlung beim Hausarzt und der hoch spezialisierten stationären Versorgung im Krankenhaus. An der Schnittstelle zwischen ambulantem und stationärem Sektor finde derzeit eine „ineffiziente Konkurrenz“ statt. Für einen „funktionsgerechten Wettbewerb“ zwischen Fachärzten und Kliniken müssten unter anderem die Qualitätsstandards, die Vergütung und die Genehmigung neuer Behandlungsmethoden vereinheitlicht werden.

Darüber hinaus regt der Sachverständigenrat den Einsatz von Listen problematischer Arzneimittel an, um die Arzneimittelsicherheit gerade bei älteren Menschen zu erhöhen. In der Gruppe der über 65-Jährigen erhielten rund 35 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen neun und mehr Wirkstoffe in Dauertherapie, heißt es in dem Gutachten. Vor diesem Hintergrund seien Nebenwirkungen von Medikamenten „ein Kernproblem bei der Versorgung alter Menschen“. Bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen kritisieren die Experten, dass es bei jungen Patienten weiterhin einen „unbegründet breiten Einsatz“ von Psychostimulanzen und Antibiotika bei Virusinfekten gebe.

Schmidt betonte bei der Entgegennahme des Gutachtens, eine der wichtigsten Herausforderungen der Zukunft sei der Wandel zu einer Gesellschaft des längeren Lebens. „Wir müssen Lösungen finden, damit auch die steigende Zahl älterer Menschen medizinisch gut versorgt werden kann.“ Viele seien chronisch und mehrfach erkrankt. „Die Versorgung muss so ausgerichtet sein, dass sie möglichst lange selbstständig bleiben und Lebensqualität behalten“, erklärte die Ministerin. „Auch jungen Menschen müssen gute gesundheitliche Entwicklungschancen eröffnet und erhalten werden."

Nach Meinung des Sachverständigenrates müssen auch die Maßnahmen zum Kinderschutz im deutschen Gesundheitssystem deutlich verbessert werden. Vernachlässigung sowie physische und psychische Gewalt gegen Kinder stelle nach wie vor ein sehr gravierendes Gesundheitsproblem dar, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Eberhard Wille. Die derzeitigen ärztlichen Untersuchungen zur Früherkennung seien kein hinreichend zielgerichtetes Instrument, um Misshandlung oder Vernachlässigung zu bemerken oder zu verhindern.

Ein Fünftel der rund 700.000 jährlich in Deutschland geborenen Kinder wachse mit erheblichen, vor allem psychosozialen Belastungen auf. Ein wichtiger Grund für gesundheitliche Probleme ist demnach die Kinderarmut. Die Experten plädieren daher unter anderem für Investitionen in möglichst frühe Bildungsangebote.  © afp/ddp/aerzteblatt.de

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www.medizynicus.de
am Mittwoch, 1. Juli 2009, 16:19

wissen wir doch schon seit Langem, oder?

...und einen der Gründe, welche dagegen sprechen, mich als Hausarzt niederzulassen, habe ich letztes Jahr schon hier gesagt:

http://medizynicus.blogger.de/stories/1211210/
nogga
am Mittwoch, 1. Juli 2009, 13:25

Hausärztliche Versorgung gefährdet, Politik 30.06.09

Nicht mangelndes Interesse an der Allgemeinmedizin sondern die existensgefährdenden Arbeitsumstände der Niedergelassenen schrecken den Nachwuchs ab. Es ist ein 24 std job zum Preis des Verreckens.
Dr.Schmidt im schwedischen Asyl
adonis
am Mittwoch, 1. Juli 2009, 07:53

"Sachverständige"

Man fragt sich, ob das Wort neu definiert ist. Dass es einen Rückgang bei den Allgemeinmediziner gibt ist seit fast Jahrzehnten bekannt. Schon 1996 sind in Deutschland und in den USA nahezu gleichzeitig publiziert worden. Eine Analyse im NEJM hatte ergeben, dass die Allgemeinmediziner mit Abstand die höchste Belastung haben, da sie alleine für schwerstkranke Patienten die Verantwortung tragen. Oft von den Spezialisten als nicht ihr Problem abgeschrieben. Zum anderen stehen sie an unterster Stelle der Einkommenskala zusammen mit Psychiatern und Kinderärzten.
Von der Politik und Fachärzten werden in D die Allgemeinärzte eh als Barfussärzte betrachtet. Dienst darf man machen besonders an Wochenenden und Nachts aber das Geld soll doch bitte am Tag durch den Facharzt verdient werden. Hausbesuche werden bis heute nicht adäquat honoriert und spezielle Untersuchungen, die früher noch Allgemeinmediziner machen durften sind völlig weggefallen ohne die notwendigen Kompensationen. Der Allgemeinmediziner in D ist der Idiot, der als Müllkippe für Patienten fungiert, Gutachten für diverse Behörden schreiben darf, ohne zu wissen, ob sein Patient nicht hinterrücks noch irgendwo regelmässig zum Facharzt geht, und er ist der Verwalter der inkompletten Patientenakte.
Sehen wir es europäisch. Auf der ominösen Liste der EU steht der Allgemeinarzt nicht. D.h. er kann sich nicht so in der EU bewegen, wie es sog. Fachärzte können. Dass er eigentlich nur einen Kurs für des jeweilige Land braucht um mit den jeweiligen speziellen Verwaltungsvorschriften und Gesetzen zurecht zu kommen, interessiert niemanden. Auch nicht, dass ein schwedischer Internist absolut nicht mit einem deutschen zu vergleichen ist. In der Orthopädie oder Chirurgie sieht es ähnlich aus. Aber das interessiert keinen Bürokraten.
Ach ich vergass. Was Allgemeinmediziner auch so schön können, ist für Budgets gerade stehen oder Offlabel Verordnungen. Die bekommt man mit schöner Regelmässigkeit vom fachärztlichen Kollegen reingedrückt.
Also liebe Leute mit Fachverstand: Warum sollte sich eine junger Kollege so etwas antun. Lieber ein wenig hinter dem Augenmikroskop schlafen und da und dort einen Katarakt operieren. Oder eine gewöhnliche Sinusitis mit Röntgen, Ultraschall diagnostizieren, einen mikrobiologischen Abstrich machen, Inhalationen verordnen, ein schleimlöses Präparat und ein Antibiotikum verornden. Damit geht der Tag auch rum und das Geld verdient sich leichter.
Noch Fragen?
Ja, was hat dieses nutzlose Gutachten gekostet?
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