| dpa |
Berlin – Frauen, die privat krankenversichert sind, haben angeblich eine achtfach höhere Chance, mithilfe von reproduktionsmedizinischen Behandlungen schwanger zu werden, als gesetzlich krankenversicherte Frauen. Ursache dafür ist, dass private Krankenversicherungen In-vitro-Fertilisationen (IVF) vollständig finanzieren, während sich Kassenpatientinnen seit 2004 zur Hälfte selbst an den Kosten für bis zu drei Versuche beteiligen müssen.
Jeden weiteren Versuch, mithilfe einer IVF schwanger zu werden, müssen sie vollständig selbst finanzieren. Noch 2003 wurde die IVF fast 95.000 Mal in Anspruch genommen. Als Reaktion auf diese gesetzlich vorgegebene Veränderung sank die Inanspruchnahme der IVF auf rund 55.000 im Jahr 2004. Dabei blieb die Rate der Privatversicherten mit einem Drittel nahezu konstant.
Diese Daten hat heute das IGES Institut in Berlin vorgelegt. Es hatte im Auftrag der Firma Merck Pharma GmbH untersucht, wie sich die geänderte Finanzierung für Kassenpatientinnen in den letzten Jahren ausgewirkt hat und welche Effekte finanzielle Zuschüsse aus Steuermitteln haben könnten.
Die IGES -Fachleute räumten ein, dass die Chancen auf eine Schwangerschaft durch IVF schon vor 2004 ungleich verteilt waren. Bei Privatpatientinnen waren sie demnach bis 2003 bereits dreimal höher. Bertram Häussler, Vorsitzender der IGES -Geschäftsführung, führte dies unter anderem darauf zurück, dass die privaten Versicherer seit Jahren mehr Versuche finanzierten als gesetzliche Krankenkassen.
Nach Angaben von IGES wurden infolge des „IVF-Knicks“ 2004 nur noch knapp 10.000 Kinder nach einer künstlichen Befruchtung geboren. Im Jahr zuvor waren es noch rund 18.500. Gegensteuern ließe sich nach Ansicht von IGES wie des Studienauftraggebers Merck, wenn unfruchtbare Paare für IVF Steuerzuschüsse erhielten. Je nach Umfang der Zuschüsse könnte dies den Berechnungen zufolge die Geburten nach IVF um 4.300 bis 14.500 pro Jahr steigern. Der Aufwand an Steuermitteln würde entsprechend zwischen 41 und 85 Millionen Euro betragen.
aerzteblatt.de |
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