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Tuberkulose: BCG-Impfung für HIV-Kinder gefährlich

Montag, 6. Juli 2009

Kapstadt – In Südafrika nimmt die Zahl von lebensbedrohlichen BCG-Erkrankungen bei HIV-infizierten Neugeborenen zu, obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer Impfung der immungeschwächten Kinder abrät. Diese zeigt eine Untersuchung im Bulletin of the World Health Organization (2009; 87: 505-511).

Weltweit werden drei von vier Kindern nach der Geburt mit dem Bacillus Calmette-Guérin (BCG) geimpft. Die 1921 eingeführte Lebendvakzine, eine abgeschwächte Variante des Rindertuberkelbazillus, kann die Kinder vor einer Miliartuberkulose oder einem Befall der Meningen schützen, wie jüngst eine Meta-Analyse ergab (Lancet 2006; 367: 1173-80), die der Impfung auch eine Kosten-Effektivität bescheinigte. 

Auch Anne Hesseling von der Stellenbosch Universität in Tygerberg bei Kapstadt und Mitarbeiter sehen diese Vorteile des Impfstoffs in Endemieländern (zu denen Deutschland nicht gehört) und es wäre ihrer Ansicht nach völlig falsch, die Impfung abzuschaffen. Ihre Analyse zeigt jedoch, dass es in letzter Zeit häufiger zu BCG-Erkrankungen kommt.

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Sie drohen bei HIV-infizierten Neugeborenen, die den BCG-Erregern hilflos ausgeliefert sind. Es kommt zu einer disseminierten BCG-Erkrankung, die in über 70 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Nach den Berechnungen der Autoren ist die Inzidenz der disseminierten BCG-Erkrankung bei HIV-infizierten Kindern in letzter Zeit angestiegen: von 778/100.000 in 2004 auf 1013/100.000 in 2006. 

Zum Vergleich: Bei nicht HIV-infizierten Kindern beträgt das Erkrankungsrisiko weniger als 5/1.000.000. Die WHO betrachtet eine BCG-Impfung deshalb bei HIV-infizierten Kindern als kontraindiziert. Die steigenden Erkrankungszahlen lassen vermuten, dass diese Einschränkungen nicht ausreichend umgesetzt werden, da die Infektionen nicht rechtzeitig erkannt werden. © rme/aerzteblatt.de

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