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N-Acetylcystein lindert Trichotillomanie

Dienstag, 7. Juli 2009

Minneapolis – Das Hustenmittel N-Acetylcystein, das im Gehirn die Konzentration des Neurotransmitters Glutamat senkt, hat einer placebokontrollierten Studie in den Archives of General Psychiatry (2009; 66: 756-763) zufolge Patienten mit Trichotillomanie geholfen, ihren dauerhaften Zwang zum beständigen Auszupfen einzelner Haare zu bändigen.

Die Trichotillomanie, an der nach US-Studien bis zu 4 Prozent der College-Studenten leiden, wird zu den Zwangsstörungen gerechnet, bei denen die Patienten durch repetitive Handlungen eine Erleichterung ihrer angespannten Psyche erlangen.

Dies kann bei der Trichotillomanie in schweren Fällen dazu führen, dass ganze Regionen der Kopfhaut zu einer haarlosen Lichtung werden. Die zumeist weiblichen Patienten leiden sehr darunter. Die Standardtherapie ist eine kognitive Verhaltenstherapie, in der die Patienten lernen, die Auslöser ihrer Zwangshandlungen zu erkennen und Auswege zu finden. Eine zugelassene medikamentöse Therapie gibt es nicht.

Einige Psychiater verordnen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), deren Wirkung jedoch zweifelhaft ist. Auch die Therapie mit dem trizyklischen Antidepressivum Clomipramin ist allenfalls kurzfristig wirksam, schreiben Jon Grant von der Universität in Minneapolis und Mitarbeiter, die in ihrer Studie mit einem anderen Behandlungsansatz erfolgreich waren.

Ausgehend von der Hypothese, dass nicht Serotonin, sondern Glutamat eine Rolle in der Pathogenese spielt (nicht zu verwechseln mit der Ursache, die bei Zwangsstörungen durchaus psychologischer Natur sein kann), wurden 50 jüngere Patienten (Durchschnittsalter 34,3 Jahre) mit Trichotillomanie (darunter 45 Frauen) über 12 Wochen entweder mit Placebo oder mit N-Acetylcystein behandelt, das über einen komplizierten Mechanismus den Transport von Glutamat in den synaptischen Spalt vermindert.

Bereits nach 9 Wochen ließ der Zwang zum Ausreißen der Haare nach. Am Ende gaben 56 Prozent der Patienten an, dass sich die Erkrankung gut oder sehr gut gebessert habe. Im Placebo-Arm waren es nur 16 Prozent. Auch im “Massachusetts General Hospital Hair Pulling Scale” kam es unter der Therapie zu einer signifikanten Verbesserung. 

Die Therapie mit der Aminosäure N-Acetylcystein war in der kleinen Studie nebenwirkungsfrei. Aus der Anwendung von Acetylcystein als Mucolytikum weiß man jedoch, wann Komplikationen möglich sind. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, dürften bald Studien bei anderen Zwangsstörungen folgen, denen vermutlich die gleiche pathogenetische Störung zugrunde liegt. © rme/aerzteblatt.de

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