Medizin

Antibiotika machen medikamentöse Aborte sicherer

Donnerstag, 9. Juli 2009

Chapel Hill – Der Wechsel von einer intravaginalen auf eine bukkale Applikation von Misoprostol und die prophylaktische Gabe von Antibiotika haben zu einer deutlichen Reduktion des Infektionsrisikos bei medikamentösen Schwangerschaftsabbrüchen geführt. Dies geht aus einer retrospektiven Analyse im New England Journal of Medicine (NEJM 2009; 361: 145-151) hervor.

Die kombinierte Gabe von Mifepriston (auch als RU-486 bekannt) mit dem Prostaglandin Misoprostol bildet in der Frühschwangerschaft eine effektive Alternative zum instrumentellen Schwangerschaftsabbruch.

Bei Planned Parenthood, dem größten Anbieter in den USA, wurden im letzten Jahr 32 Prozent aller Schwangerschaftsabbrüche mit diesen beiden Medikamenten durchgeführt. Die Zulassungsbedingungen sehen eigentlich vor, dass beide Medikamente oral gegeben werden. Viele Ärzte ließen Misoprostol jedoch intravaginal anwenden, da die Kontraktionen des Uterus dann stärker ausfallen. 

Doch dann kam es zu einer Reihe von schweren Infektionen: In Nordamerika starben 2005 fünf Frauen nach medikamentös induzierten Aborten an einer ansonsten seltenen Infektion mit Clostridium sordellii, was auch in den Medien für Aufsehen sorgte.

Einige Experten führten dies auf die intravaginale Anwendung von Misoprostol zurück. Andere forderten, dass wie in Europa regelmäßig eine periprozedurale Antibiotikaprophylaxe durchgeführt werden sollte.

Im März 2006 entschied Planned Parenthood, dass die Frauen Misoprostol künftig über die Mundschleimhaut applizieren sollten, ein Teil der Zentren führte außerdem eine generelle Antibiotikaprophylaxe ein. Die anderen Zentren machten den Einsatz von Antibiotika vom Nachweis von Chlamydien abhängig.

Beide Maßnahmen haben sich als effektiv erwiesen, wie die retrospektive Analyse zeigt, die Mary Fjerstad von IPAS, einer Non-Profit-Organisation zur Familienplanung in Chapel Hill/North Carolina, durchgeführt hat. 

Die Inzidenz schwerer Infektionen nach einem medikamentösen Abort sank nach dem Wechsel auf die bukkale Applikation von 0,93 auf 0,25 pro 1.000 Behandlungen, was eine relative Reduktion um 73 Prozent bedeutet. Und an den Zentren, die regelmäßig eine Antibiotikaprophylaxe durchführten, wurde die Rate noch einmal um relativ 76 Prozent gesenkt.

Auf 1.000 Aborte kamen nur noch 0,06 schwere Infektionen. Mit anderen Worten: Auf 16.666 Anwendungen kam eine schwere Infektion. Ohne (regelmäßige) Antibiotikaprophylaxe war es eine schwere Komplikation auf 4.000 Anwendungen. Auch das ist insgesamt ein niedriges Risiko.

Der geringe Vorteil der Antibiotikaprophylaxe müsste gegen die Nebenwirkung aufgerechnet werden, die in der Studie aber nicht erfasst werden. Das retrospektive Design der Studie ist sicherlich ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Es bleibt abzuwarten, ob die US-Arzneibehörde FDA die Zulassungsbedingungen ändern wird. Beobachter rechnen damit, dass sich – allein wegen des Haftungsrisikos –  Antibiotika als Standard durchsetzen werden. © rme/aerzteblatt.de

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