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Medizin

Probiotika keine Hilfe bei schwerer Mangelernährung

Freitag, 10. Juli 2009

London – Die in de Industrieländern bei Verbrauchern so beliebten Pro- oder Präbiotika sind in den Entwicklungsländern keine Hilfe in der Behandlung von Kindern mit schwerer Mangelernährung. Dies kam in einer kontrollierten Studie im Lancet (2009; 374: 136-44) heraus, die an zumeist HIV-infizierten Kindern in Malawi durchgeführt wurde.

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In den USA geben Verbraucher jährlich 16 Milliarden US-Dollar für Probiotika und damit letztlich für das Versprechen aus, dass die dem Darm zugeführten Bakterien das Immunsystem stärken, und die Verbraucher weniger anfällig für Erkrankungen zu machen oder wie auch immer die Werbebotschaften lauten.

Die meisten Kinder, die mit diesen Produkten von ihren Eltern behandelt werden, dürften keine ernsthaften gesundheitlichen Probleme haben - ganz im Gegensatz zu den Teilnehmern der PRONUT-Studie: 795 Kindern im Alter von fünf Monaten bis 16 Jahren aus Malawi, deren Körpergewicht wegen einer akuten Mangelernährung auf unter 70 Prozent abgefallen war, oder bei denen sich wegen eines Eiweißmangels Hungerödeme (Kwashiorkor) gebildet hatten. Etwa die Hälfte der Kinder war zudem HIV-infiziert.

Die Behandlung besteht heute nach einer ersten Stabilisierung mit Milchnahrung in der Gabe von RUTF (Ready-to-use therapeutic foods). Es handelt sich um eine gebrauchsfertige nährstoffreiche Paste aus Milchpulver, pflanzlichem Fett, Erdnüssen und Zucker, die mit Vitaminen und Spurenelementen angereichert ist. Da sie industriell hergestellt wird, könnte sie relativ einfach mit Pro- oder Präbiotika kombiniert werden. Dies bietet sich an, da viele mangelernährte Kinder auch unter einer Diarrhö leiden.

In der Studie, deren Ergebnisse Marko Kerac vom Institute of Child Health in London vorstellt, wurde die RUTF bei jedem zweiten Kind mit dem pro-/prebiotischen Gemisch Synbiotic 2000 Forte versetzt. Die Behandlung erstreckte sich im Mittel über 33 Tage. Während dieser Zeit gelang es nur bei jedem zweiten Kind das Körpergewicht zu stabilisieren, bei HIV-infizierten Kindern waren die Ergebnisse noch schlechter.

Der Zusatz von Synbiotic 2000 konnte die Ergebnisse in beiden Gruppen nicht verbessern – außer in einer Untergruppe ambulant behandelter Kinder, was die Autoren aber für ein statistisches Artefakt halten. 

Die Enttäuschung ist auch beim Editorlialisten Zulfiqar Bhutta von der Aga Khan University in Karachi, Pakistan, groß. Der Experte warnt davor, sich bei der Behandlung der Mangelernährung allein auf RUTF zu verlassen. Solange es nicht möglich sei, die Begleiterkrankungen wie Malaria, Lungenentzündung oder Durchfall zu behandeln und die HIV-infizierten Kinder nicht mit antiretroviralen Medikamente zu versorgen, würden sich die Behandlungsergebnisse nicht verbessern. © rme/aerzteblatt.de

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