Kopenhagen – Jedes zwanzigste Ovarialkarzinom war Folge der Hormonersatztherapie nach der Menopause. Zu diesem Ergebnis kommt eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie aus Dänemark im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2009; 302: 298-305). Sie bestätigt weitgehend die Ergebnisse der Women’s Health Initiative.
Anzeige
Die Studie von Lina Steinrud Morch, Universität Kopenhagen, umfasst alle Frauen, denen zwischen 1995 und 2005 in Dänemark eine postmenopausale Hormonersatztherapie verschrieben wurde. Das waren mehr als ein Drittel aller 50- bis 79-Jährigen, die zumindest zeitweise Östrogen-Präparate erhalten hatten, um ihre klimakterischen Beschwerden zu lindern oder um eine aus heutiger Sicht zweifelhafte kardiovaskuläre Prävention zu betreiben.
Seit dem vorzeitigen Abbruch der Women’s Health Initiative (WHI) im Jahr 2002 ist bekannt, dass die Hormontherapie mit einer erhöhten Rate von Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen einhergeht, zu der auch ein Anstieg der Ovarialkarzinome zählt.
Die WHI, eine randomisierte klinische Studie, war kritisiert worden, weil die Zusammensetzung der Teilnehmer nicht der üblichen Verordnungspraxis entsprach. Bei den meisten WHI-Teilnehmerinnen lag die Menopause zu Beginn der Therapie bereits mehrere Jahre zurück, während normalerweise die meisten Verordnungen (wegen der klimakterischen Beschwerden) perimenopausal erfolgen.
Bevölkerungsbasierte Kohortenstudie wie die Danish Sex Hormone Register Study sind hier eher repräsentativ. Für den Endpunkt Ovarialkarzinom kann die Gynäkologin Morch jedoch die Ergebnisse der WHI-Studie bestätigen. Anders als in der WHI-Studie war das Risiko nicht nur nur bei einer kontinuierlichen Östrogentherapie, sondern auch nach der Verordnung von zyklischen Präparaten erhöht.
Insgesamt erkrankten während eines Untersuchungszeitraums von 8 Jahren 3.068 Frauen an einem Ovarialkarzinom, das wesentlich seltener ist als ein Mammakarzinom. Die meisten Ovarialkarzinome entfielen auf epitheliale Tumore. Diese traten bei Frauen, die Hormone erhalten hatten, zu 44 Prozent häufiger auf. Für alle Ovarialkarzinome betrug die Inzidenzrate 1,38. Beide Werte waren statistisch signifikant.
Auf 8.300 Hormonanwenderinnen kommt danach eine zusätzliche Krebserkrankung. Dies sind für ganz Dänemark zwar nur 140 Erkrankungen, sie stellen aber (wegen der Seltenheit des Tumors) etwa 5 Prozent aller Ovarialkarzinome dar. Da die Tumoren in der Regel tödlich enden, sollte dieses Risiko bei der Verordnung beobachtet werden, meint die Autorin.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.