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Glargin: Krebsverdacht nicht erwiesen

Mittwoch, 15. Juli 2009

Portland – Die in mehreren retrospektiven Studien beschriebene Assoziation zwischen der Therapie mit dem Insulinanalogon Glargin (Lantus®) und vermehrten Krebserkrankungen wird von einer Expertengruppe als „inkonsistent und nicht schlüssig“ eingestuft.

Die vier am 26. Juni in Diabetologica publizierten Studien haben in den letzten zweieinhalb Wochen eine Flut von Stellungnahmen ausgelöst. Die Fachgesellschaften hoben methodologische Schwächen der Studien hervor und rieten unisono von klinischen Konsequenzen ab, auch wenn das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen zu sein scheint: Die US-amerikanische Arzneibehörde FDA hat eine Sicherheitsprüfung eingeleitet, deren Ergebnis vermutlich erst in einigen Monaten vorliegen wird.

Der Hersteller hatte relativ kurzfristig am 29. Juni eine Gruppe von Experten in Paris zu einer Konferenz eingeladen, die jetzt ihre Stellungnahme veröffentlicht haben. Die Gruppe um Matthew Riddle von der Oregon Health Sciences University in Portland vertritt ebenfalls die Ansicht, dass die Ergebnisse der retrospektiven Studien derzeit keinerlei Änderung beim Einsatz von lang wirkenden Insulinanaloga rechtfertigen.

Die Experten sehen jedoch durchaus einen weiteren Klärungsbedarf. Er ergibt sich aus der Tatsache, dass Insulin „mitogene Eigenschaften“ hat, die potenziell das Wachstum von Tumoren verursachen oder fördern könnten. Vor diesem Hintergrund eines biologisch plausiblen Zusammenhangs sollten die Daten erneut ausgewertet werden, fordern die Experten.

Empfohlen werden weitere tierexperimentelle Studien sowie die Sicherstellung, dass die bei der klinischen Anwendung erzielten Plasmakonzentrationen unter einer Schwelle bleiben, die in-vitro zu einer vermehrten Affinität am Rezeptor des insulin-like growth factor 1 (IGF-1R) führt, über den eine krebsfördernden Wirkung vermutlich zustande käme. 

Endgültige Klarheit ist aus derartigen Überlegungen heraus indes nicht zu erwarten. Die Experten raten deshalb dazu, die Frage auch im Rahmen der laufenden „Outcome Reduction With Initial Glargine Intervention“ oder ORIGIN-Studie zu prüfen, an der derzeit 12.612 Patienten teilnehmen.

Eigentliches Ziel der Studie ist der Nachweis, dass die unter Glargin verbesserte Blutzuckerkontrolle langfristig die Rate von kardiovaskulären Spätkomplikationen des Typ-II-Diabetes mellitus senkt. Diese Studie könnte nach Ansicht der Experten aber auch klären, ob es im Verlauf der Therapie zu vermehrten Krebserkrankungen kommt oder nicht. © rme/aerzeblatt.de

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