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Studie: Clozapin das sicherste Antipsychotikum

Montag, 20. Juli 2009

Kuopio – Ausgerechnet Clozapin, das wegen des Risikos tödlicher Agranulozytosen ungern zur Behandlung der Schizophrenie eingesetzt wird, war in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im Lancet (2009; doi:10.1016/S0140-6736(09)60742-X) mit der niedrigsten Mortalität der Patienten assoziiert. Die Anwendungsbeschränkungen von Clozapin könnten weltweit Tausende zusätzliche Todesfälle zur Folge haben, schreiben die Autoren.

Etwa ein Prozent aller Patienten entwickelt unter einer Therapie mit Clozapin eine Agranulozytose, die, wenn sie nicht rechtzeitig entdeckt wird, tödlich endet. Dies hat dazu geführt, dass die Anwendung des gut wirkenden Antipsychotikums an regelmäßige, anfangs sogar wöchentliche Blutbildkontrollen gebunden ist.

Viele Psychiater bevorzugen deshalb andere Antipsychotika der zweiten Generation. Aber auch diese neueren Medikamente sind nicht ohne Risiken, da beispielsweise eine Gewichtszunahme oder ein Typ-II-Diabetes mellitus, langfristig ebenfalls die Sterblichkeit der Patienten erhöhen kann.

Jari Tiihonen von der Universität Kuopio in Finnland und Mitarbeiter haben jetzt den Einfluss der Medikamentenverordnung auf die Sterblichkeit finnischer Schizophreniepatienten untersucht. Dies war möglich, weil sich in den skandinavischen Ländern die Identität einzelner Personen in verschiedenen Registern zurückverfolgen lässt. Die Analyse umfasst praktisch alle Patienten, bei denen in Finnland die Diagnose einer Schizophrenie gestellt wurde (67.000 Patienten bei einer Gesamtbevölkerung von 5,2 Millionen).

Zunächst einmal bestätigen die Ergebnisse, dass Menschen mit Schizophrenie früher sterben. Ihre Lebenserwartung im Alter von 20 Jahren war 1996 etwa 25 Jahre niedriger als bei der restlichen Bevölkerung. Im Jahr 2006 waren es 22,5 Jahre. Die Lücke in der Lebenserwartung hat sich demnach nicht vergrößert, obwohl die Einnahme von Antipsychotika der zweiten Generation (im Vergleich zu allen eingesetzten Antipsychotika insgesamt) von 13 auf 64 Prozent gestiegen war.

Die Befürchtung, dass diese Medikamente das Leben der Patienten langfristig verkürzen, hat sich nicht bewahrheitet. Eine antipsychotische Therapie war im Vergleich zu keiner Medikamenteneinnahme mit einer um 20 Prozent niedrigeren Mortalität assoziiert, auch wenn eine erhebliche Übersterblichkeit zurückbleibt.

Die Mortalität war in hohem Maße davon abhängig, mit welchem Medikament die Patienten behandelt wurden. Quetiapin wies verglichen mit Perphenazin (dem Standardneuroleptikum der ersten Generation) das höchste Risiko der Gesamtsterblichkeit auf (Steigerung um 41 Prozent), während Clozapin mit einer um 26 Prozent verminderten Sterblichkeit assoziiert war.

Das ist ein überraschendes Ergebnis, da die Arzneimittelbehörden aufgrund der Sicherheitsbedenken die Verwendung von Clozapin stark eingeschränkt haben. Es kommt in der Regel nur als Reservemedikament nach dem Versagen anderer Wirkstoffe infrage. Dann erzielt es aber eine gute Wirkung.

Tiihonen stellt die provokante Frage, ob Clozapin nicht häufiger zur Erstlinienbehandlung eingesetzt werden sollte, da es doch offensichtlich das „sicherste Antipsychotikum hinsichtlich der Sterblichkeit“ sei.

Dies erscheint allerdings eine gewagte Aussage, denn Registerstudien sind sehr anfällig gegenüber Verzerrungen (Bias). So ist es leicht vorstellbar, dass die Anwendungseinschränkungen dazu führen, dass Psychiater bei Risikopatienten eher einen Bogen um Clozapin machen.

Bei unzuverlässigen Patienten, denen die Ärzte nicht zutrauen, die regelmäßigen Kontrolltermine einzuhalten, dürften sie nach Möglichkeit auf Clozapin verzichten. Dies könnten aber gleichzeitig die Patienten mit dem höchsten Suizidrisiko sein. © rme/aerzteblatt.de

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