New York – Menschen, die wegen anderer Erkrankungen mit intravenösen Immunglobulinen behandelt wurden, erkranken einer Fallkontrollstudie in Neurology (2009; 73: 180-185) zufolge seltener an einem Morbus Alzheimer.
Derzeit gibt es keine Möglichkeit, einem Morbus Alzheimer vorzubeugen, noch gibt es Medikamente, die das Fortschreiten der Demenz auf Dauer Einhalt gebieten können. Ungewöhnliche Therapieansätze sind deshalb bei der häufigen Erkrankung gefragt.
Die Idee, dass eine intravenöse Therapie mit Immunglobulinen (IVIG) sinnvoll sein könnte, ergab sich aus einer offenen Studie an 8 Patienten mit milder Alzheimerdemenz, in der IVIG die Konzentration von Beta-Amyloiden im Liquor cerebrospinalis senkte und vorübergehend die Demenz milderte (Neurobiology of Aging doi: 10.1016/j.neurobiolaging.2007.12.021). Mangels Vergleichsgruppe hat diese Studie keine Beweiskraft.
Sie bewog die Gruppe um Howard Fillit von der Alzheimer’s Drug Discovery Foundation, einer US-Stiftung mit Sitz in New York City, zu einer Datenbankanalyse mit finanzieller Unterstützung eines führenden Herstellers von Immunglobulinen.
Die Forscher untersuchten die Krankenakten von 847 Patienten, die in der Vergangenheit über einen längeren Zeitraum mit IVIG behandelt worden waren. Die Indikationen waren schwere Immunschwächen, Leukämien oder andere Malignome, Anämien und eine Reihe anderer Erkrankungen.
Tatsächlich erkrankten diese Patienten im Alter seltener an einem Morbus Alzheimer oder verwandten Erkrankungen (ADRD) als die übrigen 84.700 Versicherten: 2,8 vs. 4,6 Prozent. Dies ergibt eine Hazard Ratio von 0,577. Mit einer 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,359 bis 0,930 ist dies eine signifikante Reduktion um 42,3 Prozent.
Allen Beteiligten ist allerdings klar, dass sich aus den Ergebnissen einer retrospektiven Fallkontrollstudie keine Indikation ableiten lässt, schon gar nicht für eine extrem teure Therapie, die für eine große Anzahl von Patienten infrage käme.
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