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Politik

Krankenhausbehandlung von Behinderten mangelhaft

Dienstag, 21. Juli 2009

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Bielefeld – Der Bethel-Geschäftsführer Michael Seidel beklagt Missstände bei der Krankenhausbehandlung von Menschen mit Behinderungen. Weil diese Patienten überdurchschnittlich viel Pflege benötigten und die Kostenträger den Mehraufwand nicht übernähmen, wollten Kliniken die Betroffenen möglichst schnell wieder loswerden. 

„Ihre Versorgung im Krankenhaus wird besorgniserregend schlechter“, sagte der Geschäftsführer im Bereich Behindertenhilfe der Bodelschwinghschen Anstalten Bethel am Dienstag in Bielefeld. „Das geht bis zu riskanten Frühentlassungen. In Einzelfällen werden Menschen mit Behinderungen mit Medikamenten ruhig gestellt oder im Bett fixiert.“ 

Menschen mit Behinderungen passten nicht in den „Takt einer zunehmend standardisierten Fließbandmedizin und Eilmedizin“, beklagte Seidel. Grund sei, dass sie überdurchschnittlich viele ärztliche und pflegerische Ressourcen bänden. Er forderte die Politik auf, dafür zu sorgen, dass die Kostenträger im Gesundheitswesen den notwendigen Mehraufwand der Kliniken finanzierten. „Das ist bislang nicht der Fall.“ Auch gebe es keine finanzielle Entschädigung für Angehörige oder Pfleger, die Menschen mit Behinderten ins Krankenhaus begleiteten. 

Seidel, der auch den Ausschuss Gesundheitspolitik der Fachverbände der Behindertenhilfe leitet, mahnte eine respektvolle Behandlung von Menschen mit Behinderungen in Kliniken an. „Wir brauchen soziale Krankenhäuser und keine Gesundheitskaufhäuser“, so der Experte. Das reguläre Gesundheitswesen dürfe sich nicht der Verantwortung für Behinderte entledigen. Nur für besonders schwere Erkrankungen von schwerst- und mehrfachbehinderten Menschen müsse es Spezialkliniken geben. 

„Ich würde mir wünschen, dass es für jedes Bundesland ein solches Haus gäbe. Bislang kenne ich bundesweit aber nur zwei solche Kliniken: die Klinik Mara in Bethel und die Sankt-Lukas-Klinik in Meckenbeuren am Bodensee“, sagte Seidel. Die von Bodelschwinghschen

Anstalten sind nach eigenen Angaben die größte diakonische Einrichtung Europas. Sie verfügen insgesamt über rund 20.000 Plätze für kranke, behinderte, alte und benachteiligte Menschen in mehreren Bundesländern. © kna/aerzteblatt.de

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