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Onchozerkose: Flussblindheit fast besiegt

Donnerstag, 23. Juli 2009

Dakar – Fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit ist es gelungen, die Onchozerkose, eine wichtige Ursache der Erblindung in Zentralafrika, deutlich zurückzudrängen. Über ihre Erfolge berichten die beteiligten Forscher in PloS Neglected Tropical Diseases (2009; doi:10.1371/journal.pntd.0000497).

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In Afrika soll es noch etwa 300.000 Menschen geben, die nach früheren Infektionen mit Onchocerca volvulus erblindet sind. Der Nachwuchs dieser Parasiten, die Mikrofilarien, haben die unangenehme Eigenschaft, sich zu Tausenden auf Wanderschaft im subkutanen Gewebe zu begeben. Einige erreichen die Cornea des Augapfels. Es kommt zur Keratitis und im schlimmsten Fall zu einer Hornhauttrübung und zur Erblindung.

Die Migration der Mikrofilarien erhöht die Chance, bei einem Insektenstich in den Körper einer Kriebelmücken der Gattung Simulium zu gelangen, die Zwischenwirt im Lebenszyklus von Onchocerca volvulus ist. Die Insekten brüten an rasch fließenden Gewässern im tropischen Afrika, daher der Name Flussblindheit.

In den 80er-Jahren wurde entdeckt, dass der Wirkstoff Ivermectin, der eigentlich für die Veterinärmedizin entwickelt worden war, die Mikrofilarien von Onchocerca volvulus abtötet. Seit 1987 stellt der Hersteller Merck (in Deutschland MSD) das Mittel den betroffenen Ländern kostenfrei zur Verfügung. Das daraufhin begonnene African Programme for Onchocerciasis Control hat sich als überaus erfolgreich erwiesen.

Die Gruppe um Hans Remme, einem pensionierten Parasitologen der WHO, glaubt, dass die Abgabe von Ivermectin an die Bevölkerung die Flusskrankheit ganz ausrotten könnte. Die bisherigen Erfahrungen geben ihm Recht: In einigen Regionen von Mali und dem Senegal sind, 15 bis 17 Jahren nach Beginn der Behandlungen, weniger als ein Prozent der Bevölkerung mit der Nematode infiziert.

Von mehr als 150.000 gefangenen Kriebelmücken waren weniger als 0,5 Promille in der Lage, die Krankheit zu übertragen. Daraufhin brachen die Forscher die Behandlung in einigen Dörfern ab, ohne dass dies zu einem Wiederanstieg der Erkrankungen geführt hätte: Unter den 2.283 untersuchten Dorfbewohnern war keiner mit Onchocerca volvulus infiziert und auch die Zahl der befallenen Mücken war nicht angestiegen.

Jetzt soll das Ivermectin-Programm in zwei der drei Regionen unterbrochen werden. Sollte es auch dann nicht zu einem Wiederanstieg der Infektionsrate kommen, könnten Mali und der Senegal das Programm ganz stoppen.

Onchocerca volvulus ist jedoch noch in weiteren Ländern endemisch. Im Kamerun und in der Demokratischen Republik Kongo ist der Parasit weit verbreitet. Ob die Ivermectinbehandlung dort den gleichen Erfolg erzielt, ist nicht ganz sicher. Ivermectin ist allerdings nicht das einzige Mittel, das gegen Onchocerca volvulus wirksam ist.

Eines der Nachfolgemittel ist Moxidectin. Während Ivermectin die Mikrofilarien angreift, zielt Moxidectin auf die erwachsenen Würmer. Eine Kombination beider Wirkstoffe könne die Bemühungen, die Flusskrankheit endgültig zu besiegen, noch verstärken. Fernziel wäre die globale Eradikation des Erregers. © rme/aerzteblatt.de

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