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Ein Jahr nach der Arm-Transplantation: Patient macht große Fortschritte

Mittwoch, 22. Juli 2009

Memmingen – Er kann schon wieder seine Frau umarmen und träumt jetzt vom Motorradfahren: Der Allgäuer Landwirt Karl Merk hat ein Jahr nach der weltweit ersten Transplantation von zwei Armen große Fortschritte gemacht, wie seine behandelnden Ärzte und Merk selbst am Mittwoch in Memmingen sagten. Sein guter Heilungsverlauf weckt demnach Hoffnungen, solch eine Operation auch bei anderen Armamputierten vorzunehmen.

Merk hatte seine Arme vor sieben Jahren bei einem Arbeitsunfall in einem Maishäcksler verloren. Nachdem er mit Prothesen nicht zurechtkam, waren ihm vor einem Jahr von einem 40-köpfigen Operationsteam am Klinikum rechts der Isar in München die zwei Arme eines Verstorbenen transplantiert worden.  

Der federführend an den mehrjährigen Vorbereitungen der Operation beteiligte plastische Chirurg Edgar Biemer sagte, der Erfolg eile den Ärzten inzwischen voraus. „Wir hatten gar nicht erwartet, dass so viel Funktion nach so kurzer Zeit wieder eintritt“, sagte Biemer. Ärzte sprächen nicht gerne von einem Wunder. In diesem Fall seien die Fortschritte aber sehr überraschend. Endgültig könne die Transplantation erst in einem Jahr beurteilt werden.

Vor drei Wochen konnte der 55-jährige Merk demnach zum ersten Mal wieder die Finger der linken Hand bewegen. Wegen des langsamen Zusammenwachsens der Nerven waren die Ärzte von eineinhalb bis zwei Jahren Dauer ausgegangen, bis auch die Finger beweglich werden.

Der Landwirt kann inzwischen wieder ohne Probleme die Ellenbogen strecken und beugen und sich etwa mit den Händen durch die Haare streichen, wie er demonstrierte. Nach den Angaben seiner Physiotherapeutin werde er als nächsten Schritt in der Therapie zum Schwimmen gehen können, was „ein großer Moment“ werde. Heimlich hatte Merk zu Hause schon wieder Fahrrad fahren geübt. Auch dies gelang ihm bereits, wie Fotos zeigten.

Auch die Verrichtung alltäglicher Dinge gelinge ihm, sagte Merk. „Ich kann auf jeden Fall selber essen, ich kann mich auch selber waschen.“ Sein größter Traum sei nun, „dass die Finger noch besser kommen, dass ich was halten kann“. Darüber hinaus würde er auch gerne wieder mit seinem Motorrad fahren, das in seiner Garage warte. „Das wäre natürlich ein Großtraum.“ Mit seinem Traktor sei er bereits wieder gefahren.

Wie Merk sagte, waren die ersten zwölf Monate nach der Operation aber auch sehr anstrengend. Sein Körper zeigte in der Zeit drei Mal größere Abstoßungsreaktionen. Einmal folgte darauf eine schwere Lungenentzündung. Mithilfe von Medikamenten konnten diese Krisenphasen nach Angaben der Ärzte aber schnell wieder beendet werden. Es habe auch die Gefahr bestanden, dass die zusammen 13 bis 15 Kilo schweren Arme den restlichen Körper schädigen könnten. Dies sei bisher aber nicht geschehen.

Merk sagte, trotz der Risiken und Anstrengungen halte er die Transplantation für richtig. „Ich tät es jetzt sofort wieder machen.“ Wie die Ärzte sagten, profitierte der Patient auch von seinem großen Willen und der Bereitschaft, alles für einen Erfolg zu tun.

Vor Merk seien auch andere Patienten für solch eine Transplantation in der Diskussion gewesen, diese seien aber wegen Zweifeln an ihrer Eignung für den Eingriff am Ende nicht in Frage gekommen. © afp/aerzteblatt.de

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