Boston – Durch die Injektion eines Wachstumsfaktors haben US-Forscher laut einer Publikation in Cell (2009; 138: 257-270) Herzzellen von Mäusen zur Proliferation angeregt und die Erholung nach einem Herzinfarkt beschleunigt.
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Lange Zeit galten Kardiomyozyten als nicht regenerierbar. Nach einem Herzinfarkt werden die abgestorbenen Abschnitte des Herzmuskels durch Bindegewebe ersetzt, langfristig kommt es zu einer Kardiomyopathie und zur Herzinsuffizienz, eine häufige und gefürchtete Spätfolge schwerer Herzinfarkte.
Kürzlich wurde entdeckt, dass sich im Herzmuskel von Erwachsenen beständig Herzmuskelzellen regenerieren, wenn auch in zu geringer Zahl, um akute Schäden wie nach einem Herzinfarkt zu beheben. Es wurde vermutet, dass Stammzellen im Herzen die Quelle dieser neugebildeten Herzmuskelzellen sind.
Dass ausdifferenzierte Kardiomyozyten noch einmal in den Zellzyklus eintreten und sich teilen, wurde für ausgeschlossen gehalten, da diese Zellen zumeist über zwei Zellkerne verfügen. Es gibt jedoch eine kleine Gruppe von mononuklären Kardiomyozyten, ihr Anteil liegt bei unter einem Prozent.
Der Kardiologe Bernhard Kühn vom Children's Hospital in Boston hat es geschafft, diese Zellen zur Zellteilung zu bewegen. Dies gelang zunächst in Laborexperimenten durch den Zusatz des Wachstumsfaktors Neuregulin 1, der an einem Rezeptor auf der Oberfläche der Muskelzellen bindet.
Im nächsten Schritt injizierten die Forscher Neuregulin 1 in das Abdomen von Mäusen, bei denen sie durch Verschluss einer Koronararterie einen künstlichen Herzinfarkt ausgelöst hatten. Die zwölfwöchige Therapie führte tatsächlich zu einer Verkleinerung der Narben und zu einer Verbesserung der Pumpleistung des Herzens.
Die Forscher sind sich nicht ganz sicher, dass die positive Wirkung tatsächlich durch eine Regenerierung ausdifferenzierter Kardiomyozyten zustande kam. Denkbar ist auch, dass Neuregulin 1 im Herzen verborgene Stammzellen zur Differenzierung veranlasste. Für die therapeutische Wirkung wäre der genaue Ursprung der neuen Zellen jedoch nebensächlich.
Im nächsten Schritt wollen die Forscher die Experimente an Schweinen wiederholen. Eine Therapie am Menschen kommt derzeit nicht infrage, da die Sicherheit nicht geklärt ist. Das Wachstumshormon Neuregulin 1 scheint nämlich in der Zelle die Kinase ErbB4 zu aktivieren.
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