Botenstoff im Gehirn fördert das Lernen und hemmt das Erinnern
Mittwoch, 29. Juli 2009
Köln – Der Neurotransmitters Acetylcholin hat im Gehirn mindestens zwei gegensätzliche Wirkungen. Das haben Wissenschaftler der Universität Köln und des Forschungszentrums Jülich ermittelt. Sie publizierten ihre Ergebnisse im Journal of Neuroscience (2009; 29: 8119-8128).
Es gehört zu den Gesetzmäßigkeiten des Lebens, dass die Gedächtnisleistung mit zunehmendem Alter nachlässt. Der Botenstoff Acetylcholin spielt für die Funktion des Gedächtnisses eine herausragende Rolle. Dies wird insbesondere darin deutlich, dass der Demenz vom Alzheimer-Typ ein Untergang der Acetylcholin produzierenden Nervenzellen zugrunde liegt.
In einem pharmakologischen Experiment haben Forscher aus Köln und Jülich nun mittels funktioneller Bildgebung den Einfluss von Acetylcholin auf die Hirnfunktion des Menschen untersucht. Dabei konnte erstmalig nachgewiesen werden, dass eine erhöhte Acetylcholin-Konzentration das Gehirn empfänglicher für Neues macht.
Das Abspeichern neuer Information wird gefördert. Gleichzeitig wird jedoch das Abrufen und Wiederverarbeiten bereits gespeicherter Information durch die erhöhte Konzentration des Botenstoffs gehemmt. Juraj Kukolja aus der Neurologie der Uniklinik Köln erklärt sich das Phänomen so: „Das Gehirn muss seine begrenzten Ressourcen ökonomisch verwalten. Wenn es darauf ankommt, neue Dinge zu lernen, stellt Acetylcholin das Gehirn darauf ein, möglichst viele der einströmenden Sinneseindrücke aufzusaugen. Dies kann aber nur geschehen, wenn störende Prozesse des Erinnerns heruntergefahren werden.“
Auch zeigte sich, dass ältere Probanden umso mehr von einer Erhöhung der Acetylcholin-Konzentration profitieren, je schlechter ihre Gedächtnisleistung ist. Dies deutet darauf hin, dass auch bei gesunden älteren Menschen die Gedächtnisleistung direkt von der Acetylcholin-Verfügbarkeit im Gehirn abhängt.
„Interessant ist, dass für die leichte Abnahme der Gedächtnisleistung während des normalen Alterns ähnliche Prozesse verantwortlich sind wie für den dramatischen Gedächtnisverlust bei der Alzheimer-Demenz“, sagt Gereon Fink, Direktor der Klinik für Neurologie der Uniklinik Köln.
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