Tamiflu: Albträume und Nausea bei Kindern
Montag, 3. August 2009
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| dpa |
London – Zu den unangenehmen Erfahrungen der mit H1N1-Epidemie gehört, dass der Einsatz von Oseltamivir (Tamiflu®) bei Kindern nicht unproblematisch ist. Britische Mediziner berichten in Eurosurveillance (Online), dass die Hälfte der Kinder über Nebenwirkungen klagte.
Beide Studien umfassen Kinder von Grund- oder weiterführenden Schulen, in denen es im April oder Mai zum Ausbruch der Neuen Influenza gekommen war. Zu den Gegenmaßnahmen gehörte damals die prophylaktische Therapie mit Oseltamivir (Tamiflu).
Behandelt wurden also Kinder, die nicht erkrankt waren. In beiden Studien war die Akzeptanz der Behandlung groß. Aileen Kitching von der Health Protection Agency (HPA) in London berichtet, dass 83 von 103 Kindern das Virustatikum einnahmen. 45 Kinder berichteten über eine oder mehrere Nebenwirkungen des Virustatikums.
Dazu gehörten neben gastrointestinalen Beschwerden (40 Prozent der Kinder) wie Nausea auch neuropsychiatrische Symptome (18 Prozent) wie Albträume, Konzentrationsstörungen oder Schlafstörungen. Über ähnliche Erfahrungen berichtet Anders Wallenstein von der HPA in Stonehouse (England).
Dort entwickelten 126 von 248 Kindern, also etwa die Hälfte, Nebenwirkungen. Neben gastrointestinalen Störungen klagten die Kinder über Müdigkeit und Konzentrationsstörungen, nicht aber über Albträume.
In dieser Gruppe war der Alarm durch ein Kind ausgelöst worden, dass sich in Mexiko mit H1N1 angesteckt hatte. Alle anderen Kinder blieben H1N1-negativ. Der Einsatz des Neuraminidase-Hemmer war deshalb retrospektiv betrachtet unnötig gewesen.
Dennoch warnte Sir Liam Donaldson, oberster Gesundheitsberater (chief medical officer) der britischen Regierung davor, bei Kindern auf den Einsatz von Oseltamivir (oder Zanamivir) zu verzichten, wenn dies notwendig ist. Die Nebenwirkungen seien in der Regel milde und weniger schädlich als die möglichen Risiken der Neuen Grippe.
Der Hersteller Roche stellte gegenüber der Presse klar, dass neuropsychiatrische Symptome keine etablierte Nebenwirkung von Tamiflu seien. In den letzten Jahren hatte es aber wiederholt Berichte über neuropsychiatrische Komplikationen bei japanischen Kindern gegeben, die wegen einer Grippe mit Tamiflu behandelt wurden.
Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hatte sich intensiv mit der Sache befasst, war dann aber zu dem Ergebnis gekommen, dass die Beschwerden eher eine Folge der Grippe als eine Nebenwirkung des Medikaments wären. dennoch wurde ein Hinweis in die Fachinformation aufgenommen. Die jetzt behandelten Kinder waren aber nicht an der Grippe erkrankt.
Unabhängig von der aktuellen Studie sind britische Ärzte dazu übergegangen, die Neuraminidase-Hemmer nur noch bei Kindern einzusetzen, die (erste) Symptome einer Grippe zeigen. Seit Beginn der H1N1-Epidemie haben in England 150.000 Personen (auch Erwachsene) Tamiflu erhalten.
Bei der Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) sollen nach Medienberichten seither 150 Berichte über unerwünschte Nebenwirkung eingegangen sein.
© rme/aerzteblatt.de
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