Groningen – Bei einer schweren Präeklampsie ist die Entbindung die einzige kausale Therapie für die Schwangere. Nach einer randomisierten Studie im Lancet (2009; doi: 10.1016/S0140-6736(09)60736-4) sollte diese Option auch bei einer Hypertonie in der Spätschwangerschaft oder einer milden Gestose erwogen werden.
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Die Leitlinie „Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen“ der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sieht die Indikation zur induzierten Geburt gegeben bei einer therapierefraktären schweren Hypertonie, einer therapierefraktären Niereninsuffizienz, einem akuten Lungenödem, einer disseminierten intravasalen Gerinnung, bei persistierenden schweren Oberbauchschmerzen oder einer drohenden Eklampsie.
Denn in dieser Situation besteht eine akute Gefahr für Gesundheit und Leben von Mutter und Kind. Bei den Teilnehmerinnen der „Hypertension and Pre-eclapmsia Intervention Trial At Term“ oder HYPITAT war diese Gefahr wesentlich geringer. Sie hatten eine relativ milde Hypertonie (diastolischer Blutdruck 95mm Hg oder höher) oder ein milde Präeklampsie (diastolischer Blutdruck 90 mmHg oder höher plus Proteinurie).
Diese Konstellation ist gegen Ende der Schwangerschaft (in der Studie in der 36. bis 41. Woche) nicht ungewöhnlich. Die Entscheidung zu einer vorzeitigen Entbindung war schwierig, weil es keine Daten aus randomisierten Studien gab.
Die HYPITAT-Studie, an der 756 Frauen mit Einzelschwangerschaft teilnahmen, füllt hier eine Lücke. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass eine frühzeitige Entbindung einen gewissen Vorteil bietet. Primärer Endpunkt der Studie war ein Composite aus maternaler Morbidität und Mortalität, dem Fortschreiten zu einer schweren Hypertonie oder Proteinurie oder ein hoher Blutverlust von mehr als einem Liter während der Geburt.
Wie Corine Koopmans von der Universität Groningen und Mitarbeiter berichten, trat dieses negative mütterliche Ergebnis bei 31 Prozent der Schwangeren auf, die auf eine sofortige Entbindung randomisiert waren. Im zweiten Studienarm wurde der Endpunkt von 44 Prozent der Frauen erreicht. Der Unterschied war mit absolut 13 Prozent nicht hoch, aber signifikant.
Interessanterweise konnte durch die frühzeitige induzierte Geburt mehr Kinder vaginal entbunden werden als bei der abwartenden Strategie, was ein weiterer Vorteil ist. Es gab aber in beiden Therapiearmen keine Todesfälle von Müttern oder Kindern.
Eine weitere Analyse zeigte, dass die Vorteile auf Schwangere beschränkt sind, die sich bereits in der 37. Woche befanden. Die Editorialistin Donna Johnson von der Universität von South Carolina in Charleston rät deshalb, diesen Zeitpunkt abzuwarten (Lancet 2009; doi: 10.1016/S0140-6736(09)61380-5).
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