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Defekte Membranpumpe als Ursache der Epilepsie

Dienstag, 4. August 2009

Leeds – Defekte in der Natrium-Kalium-Pumpe der Zellmembran sind eine mögliche Ursache der Epilepsie. Diese lange gehegte Vermutung wird durch eine tierexperimentelle Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2009, doi: 10.1073/pnas.0904817106) belegt.

Bei einer gezielten Suche nach Gendefekten, die eine Epilepsie auslösen könnten, stießen Steve Clapcote von der Universität Leeds und Mitarbeiter auf eine Mutation im ATP1a3-Gen. Es kodiert eine Natrium-Kalium-ATPase, die in der Membran der Nervenzellen das Gleichgewicht dieser beiden Elektrolyte sicherstellt.

Bei Myshkin-Mäusen (benannt nach der Hauptfigur in „Der Idiot“ von Dostojewski) ist das ATP1a3-Gen mutiert und die ATPase defekt. Alle Tiere erkranken an einer komplexen partiellen Epilepsie mit sekundären generellen Krampfanfällen, die sich gut mit Valproinsäure, einem häufig bei Epilepsie eingesetztem Wirkstoff, verhindern ließen.

Werden die Mäuse mit transgenen Tieren gekreuzt, welche die Forscher mit einer Extrakopie des korrekten ATP1a3-Gens ausgestattet hatten, bleiben die Nachfahren frei von Krampfanfällen. Dies belegt, dass die Störung des Natrium-Kalium-Austausches an der Zellmembran eine mögliche Ursache der Epilepsie ist.

Die ATP1a3-Gene von Maus und Mensch sind nach Aussage der Forscher zu mehr als 99 Prozent identisch. Es besteht deshalb die Möglichkeit, dass der Gendefekt auch beim Menschen vorkommt. Ob dies der Fall ist und wie häufig diese Störung ist, soll jetzt an einer Kohorte von Epilepsie-Patienten untersucht werden. Die Ursache der meisten Epilepsieerkrankungen beim Menschen ist bislang unbekannt. 

Sollten ATP1a3-Mutationen beim Menschen eine Rolle spielen, könnten sich daraus Anregungen für die Entwicklung neuer Medikamente ergeben, die an der Natrium-Kalium-Pumpe angreifen. © rme/aerzteblatt.de

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