| Johannes Löwer /dpa |
Berlin – Bei den Erkrankungen mit der sogenannten Schweinegrippe wird es nach Ansicht von Experten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) im Herbst auch in Deutschland zu mehr schweren Verläufen kommen. Er rechne zudem mit „viel mehr“ Erkrankungen, sagte PEI-Präsident Johannes Löwer am Donnerstag in Berlin. Auch Todesfälle seien möglich.
Zum Schutz gegen das Virus solle im September mit den Impfungen begonnen werden. Die Kosten sollen dem Bundesgesundheitsministerium zufolge die Krankenkassen tragen. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hatte indes erklärt, dann eine Erhöhung des Beitragssatzes zu verlangen.
Die ersten Impfdosen gegen die Neue Grippe H1N1/2009 sollen Löwer zufolge bereits in wenigen Wochen zur Verfügung stehen. Deutschland habe seinen Impfstoff bislang komplett bei dem Hersteller Glaxosmithkline (GSK) bestellt, erklärte er. Die Firma verfüge über einen pandemischen Influenzaimpfstoff, der auf Basis des aviären Influenzavirus H5N1 entwickelte wurde, eine Musterzulassung besitzt und jetzt an den Virusstamm der neuen Grippe angepasst werde.
Die ersten Impfdosen würden im September ausgeliefert. Einen Vorvertrag über die Produktion von Impfstoff habe die Bundesrepublik auch mit dem Hersteller Novartis, berichtete Löwer. Die Bundesländer hätten noch die Möglichkeit, dort weitere Impfdosen zu bestellen. Die Zulassung des Novartis-Impfstoffs erwartet Löwer im Oktober.
Durch die Zugabe von sogenannten Adjuvanzien wird derzeit eine Reduzierung der Antigenmenge pro Impfdosis und damit eine höhere Ausbeute in kürzerer Zeit ermöglicht. Gleichzeitig habe sich in klinischen Studien gezeigt, dass durch die Adjuvantien auch Mutationen der Grippeviren abgedeckt werden könnten, heißt es beim PEI.
Für Löwer ist der Einsatz von Adjuvantien aber auch „eine Frage der Solidarität mit der restlichen Welt“. „ Es gibt weltweit Bedarf, die Produktionskapazitäten sind aber begrenzt“, sagte er. Durch den Zusatz seien die Impfstoffkapazitäten deutlich höher. Auch mit einer Änderung des Nebenwirkungsprofils sei durch ihren Zusatz nicht zu rechnen.
Lediglich Lokalreaktionen an der Impfstelle könnten heftiger ausfallen. Geimpfte müssen nach seinen Worten mit Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle rechnen sowie teilweise mit mehrtägigen Kopf- und Gliederschmerzen. Doch weder auf die Wirksamkeit noch auf die Sicherheit der Impfstoffe hätten die Zusätze Einfluss.
Da die Erkrankungen bisher meist mild verliefen, sollen zunächst die Risikogruppen geimpft werden. Wer genau dazu zählt, soll laut Robert-Koch-Institut (RKI) im September entschieden sein. „Im Moment macht es keinen Sinn, die gesamte Bevölkerung zu impfen“, sagte Löwer.
Die Kosten sollen die gesetzlichen Krankenkassen tragen. Impfungen als Prophylaxe seien nicht nur Pflichtaufgabe der Kassen, sagte der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder. Es stünden den Kassen auch genügend Gelder zur Finanzierung der Impfung zur Verfügung. Der Ruf nach Beitragserhöhungen sei daher „völlig unangemessen.“ In der kommenden Woche will das Bundeskabinett die Impfverordnung beschließen.
Trotz dieser klaren Vorgabe wollen die gesetzlichen Krankenkassen die Impfkosten auf höhere Beiträge umwälzen. Sollte es keinen zusätzlichen Steuerzuschuss für den Gesundheitsfonds geben, könnte die Bundesregierung alternativ den allgemeinen Beitragssatz zum 1. Oktober „anpassen“, sagte die Sprecherin des GKV-Spitzenverbandes, Ann Marini. Andernfalls könnten die Kassen in eigener Regie Zusatzbeiträge von den Versicherten erheben.
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