Medizin

Rote Beete steigert sportliche Ausdauer

Freitag, 7. August 2009

Exeter – Sollten bei den kommenden Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin Sportler mit Trinkflaschen gesichtet werden, die eine verdächtige rote Flüssigkeit enthält, dann dürfte dies mit einer kleinen placebokontrollierten Studie zusammenhängen, die jetzt im Journal of Applied Physiology (2009; doi: 10.1152/japplphysiol.00722.2009) publiziert wurde. Sie zeigt, dass täglich ein halber Liter Rote-Beete-Saft die Leistung in Ausdauersportarten steigert.

An der kleinen Studie beteiligten sich acht Männer im Alter von 19 bis 38 Jahren, die über sechs Tage täglich einen halben Liter Rote Beete-Saft tranken. An den letzten drei Tagen absolvierten sie Belastungstests auf dem Fahrradergometer. Wie die Gruppe um Andrew Jones von der Universität in Exeter/England berichtet, steigerte der Rote-Beete-Saft die Ausdauer beim Radeln.

Sie hielten im Durchschnitt 11,25 Minuten durch, 92 Sekunden länger als nach in einer zweiten Studienphase, in der die Teilnehmer die gleiche Menge Johannisbeersaft getrunken hatten. Auf die Gesamtstrecke bezogen ergebe das einen Vorsprung von etwa 2 Prozent, was auf sportlichen Wettbewerben über Sieg oder hintere Plätze entscheiden könnte. 

Beide Getränke haben zwar die gleiche Farbe. Rote-Beete enthält jedoch eine größere Menge Nitrate, die im Körper in Nitrite umgewandelt werden. Die Plasma-Nitrit-Konzentration lag nach dem Trinken von Rote-Beete-Saft fast doppelt so hoch wie nach dem Trinken von Johannisbeersaft, das fast keine Nitrate enthält. 

Jones vermutet, dass die Nitrite die Sauerstoffverwertung in den Mitochondrien verbessern. Bekannt ist, dass Nitrite mit den Eisenatomen der Enzyme der Zellatmung reagieren. Dies geschieht auch im Hämoglobin der Erythrozyten mit der Folge einer vermehrten Methämoglobinbildung, was nicht unbedingt die Fitness steigert.

Die Befunde von Jones zeigen indes, dass die Sauerstoffextraktion im Muskelgewebe nach dem Trinken des Rote Beete-Safts deutlich reduziert war. Lungenfunktionstests ergaben, dass die Teilnehmer für die gleiche Leistung 19 Prozent weniger Sauerstoff benötigten.

Der Rote Beete-Saft hatte außerdem eine blutdrucksenkende Wirkung: Der systolische Wert in Ruhe sank von 132 auf 124 mm Hg. Die Studie bestätigte damit die Ergebnisse einer anderen Forschergruppe, die im letzten Jahr eine Reduktion des Blutdrucks um 10,4/8 mm Hg nach dem Trinken der gleichen Menge Rote-Beete-Saft beschrieben hatte (Hypertension 2008; 51: 784-790).

Jones ist übrigens Berater der britischen Langstreckenläuferin Paula Radcliffe, auf deren Homepage sich ein Link zu einer Meldung der BBC zu der Studie befindet. Die Botschaft scheint demnach bei den Sportlern angekommen zu sein. Man kann nur hoffen, dass sich die Berater auch Gedanken über die möglichen Nebenwirkungen einer hoch dosierten Rote-Beete-Behandlung machen. Nitrite sind an der Bildung kanzerogener Nitrosamine beteiligt. Rote Beete enthält außerdem viel Oxalsäure, die Ausgangspunkt für die Bildung von Nierensteinen sein kann.

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