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Bluttransfusionen erhöhen Infektionsrisiko nach Bypass-Operation

Montag, 10. August 2009

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Ann Arbor – Patienten, die bei einer Bypass-Operation (CABG) allogene Bluttransfusionen erhalten, erkranken einer Studie in BMC Med (2009; 7: 37) zufolge signifikant häufiger an schweren Infektionen. Die Kliniksterblichkeit verfünffacht sich beinahe. Die Studie basiert auf der Auswertung von CABG an fast 25.000 Begünstigten der staatlichen US-Krankenversicherung für Senioren (Medicare) in den Jahren 2003 bis 2006.

Die Herzoperation geht häufig mit Blutverlusten einher, die durch Transfusionen ersetzt werden müssen. In der Regel ist es Fremdblut aus Blutbanken (allogene Transfusion), seltener wird auch das Eigenblut der Patienten genutzt. Diese autologe Transfusion gilt als schonender, da es nicht zu Reaktionen zwischen dem Plasma und den Leukozyten des Spenderblutes mit dem Immunsystem des Empfängers kommt. Sie könnten eine Immunschwäche und damit eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infektionen nach sich ziehen. 

Welche gravierenden Folgen dies haben könnte, zeigt die Auswertung von Mary Rogers von der Universität von Michigan in Ann Arbor. 18 Prozent der Patienten, die Fremdblut erhalten hatten, erkrankten während des Klinikaufenthalts an einer Infektion. Unter den Patienten, die Eigenblut erhalten hatten, waren es dagegen 9,7 Prozent, und bei Patienten, die kein Blut benötigten, erlitten nur 6,6 Prozent eine Infektion. 

Nun könnten die Ergebnisse leicht dadurch erklärt werden, dass multimorbide Patienten mit einer schlechten Prognose häufiger Bluttransfusionen benötigen, die dann bevorzugt bei der Blutbank bezogen werden.

Rogers hat versucht, diesen Selektions-Bias zu minimieren, indem sie die Begleiterkrankungen in der Auswertung (Propensity score) berücksichtigte. Aber auch die Größe der Klinik und die Erfahrung des Chirurgen flossen in die Analyse ein: Übrig blieb ein 2-fach erhöhtes Infektionsrisiko (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,6-2,5) für Patienten, die allogene Transfusionen erhalten hatten.

Diese Patienten erkrankten signifikant häufiger an Infektionen des Urogenitaltraktes, der Atemwege, des Blutes, des Verdauungssystems und der Haut. Auch Infektionen mit dem Problemkeim Clostridium difficile waren häufiger.

Dass die Infektionen nicht folgenlos blieben, zeigt eine um den Faktor 4,7 (2,4-9,2) erhöhte Kliniksterblichkeit, eine um den Faktor 1,4 (1,2-1,6) erhöhte Rate von Re-Hospitalisierungen und eine um den Faktor 2,9 (1,4-6,0) erhöhte 30-Tages-Sterblichkeit.

Bei Patienten, die Eigenblut erhalten hatten, waren diese Risiken nicht erhöht, was ein weiterer Hinweis dafür sein mag, dass in der Tat die immunsupprimierenden Folgen einer Bluttransfusion lebensgefährlichen Infektionen Vorschub leisten können.

Transfusionen mögen in vielen Fällen bei Bypass-Operationen unverzichtbar sein. Die Indikationsstellung ist jedoch an den einzelnen Kliniken sehr unterschiedlich. In einigen Kliniken erhielten 50 Prozent der Männer Transfusionen, in anderen Kliniken alle Männer.

Bei den Frauen variierte die Häufigkeit von 73 bis 100 Prozent. Etwa 30 Prozent der Unterschiede lassen sich allein auf die Klinik zurückführen, schreibt die Autorin. Sie hat ausgerechnet, dass jeder Anstieg der Transfusionsrate um ein Prozent mit einem Anstieg der Infektionsrate um 0,15 Prozent einhergeht. 

Dass die Option Eigenblut häufig nicht erwogen wird, zeigt sich darin, dass allogene Transfusionen bei elektiven Eingriffen (80 Prozent) nicht seltener als nach dringenden Eingriffen (85 Prozent) oder nach Notoperationen (85 Prozent) eingesetzt wurden. 

Trotz der eindrücklichen Ergebnisse bleiben Analysen von Krankenregistern immer anfällig für Verzerrungen. Eine Schwachstelle der Studie ist die Tatsache, dass die linksventrikuläre Funktion, ein wichtiger Prognosefaktor, nicht in die Auswertung einbezogen werden konnte. © rme/aerzteblatt.de

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