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Meta-Analyse: Tamiflu und Relenza bei Kindern kaum wirksam

Mittwoch, 12. August 2009

Oxford – Britische Public-Health Forscher melden Zweifel am Einsatz von Neuraminidase-Inhibitoren bei der neuen Influenza an. Aus ihrer im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 339: b3172) publizierten Meta-Analyse geht hervor, dass Oseltamivir (Tamiflu®) oder Zanamivir (Relenza®) auch bei der saisonalen Grippe nur eine bescheidene Wirkung erzielen.

Der Einsatz von Oseltamivir oder Zanamivir bei der neuen Grippe ist derzeit nicht evidenzbasiert. Da die Erkrankung neu ist, wurden noch keine kontrollierten Studien durchgeführt. Für die saisonale Grippe konnte die Gruppe um Matthew Thompson von der Universität Oxford vier randomisierte Studien ausfindig machen, in denen die Wirkung von Oseltamivir oder Zanamivir gegen Placebo bei 1.766 Kindern im Alter von 12 Jahren oder jünger mit (vermuteter oder bestätigter) saisonaler Influenza untersucht wurde. 

Die Ergebnisse waren bescheiden: Die Behandlung mit einem Neuraminidase-Inhibitor verkürzte die Krankheitsdauer um gerade einmal 0,5 bis 1,5 Tage, wobei die Wirkung in diesem Endpunkt nur in zwei Studien statistisch signifikant war.

Hinzu kommt, dass die Behandlung keine oder eine nur sehr geringe Auswirkung auf das Komplikationsrisiko hatte: Sie verhinderte keine Asthmaanfälle, auch wenn sich die Lungenfunktion in einer Studie besserte.

Der Bedarf an Antibiotika (zur Behandlung sekundärer bakterieller Infektionen) wurde nicht oder unwesentlich gesenkt (um 10 Prozent in einer Studie zu Oseltamivir). Und das Auftreten einer Otitis media wird nicht vermindert (außer bei Kindern im Alter von 1 bis 5 Jahre in einer Studie). 

Thompson hat auch drei randomisierte Studien zu einer Postexpositionsprophylaxe (863 Kinder) ausgewertet. Die Therapie mit Oseltamivir oder Zanamivir senkte die Zahl der Neuerkrankungen nur um 8 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 5 bis 12 Prozent). Mit anderen Worten: 13 Kinder müssten über zehn Tage behandelt werden, um eine Erkrankung zu vermeiden, die bei kleinen Kindern (anders als bei Senioren) nur sehr selten tödlich verläuft.

Alle behandelten Kinder wären aber dem Risiko von Nebenwirkungen ausgesetzt. Zanamivir, das inhalativ appliziert werden muss und deshalb seltener eingesetzt wurde, war zwar sehr gut verträglich. Bei Oseltamivir kann es jedoch gelegentlich zum Erbrechen kommen (Number Needed to Harm von 20).

Thompson glaubt, dass die Ergebnisse durchaus auf die derzeit noch milde verlaufende neue Influenza A/H1N1 übertragbar sind. In Großbritannien entfallen derzeit etwa 30 Prozent der Erkrankungen auf Kinder unter zehn Jahren. Das britische Gesundheitsministerium teilte den Medien mit, dass sie trotz der Studie an den derzeit geltenden Empfehlungen festhalten will.

Kürzlich hatten zwei Studien der britischen Health Protection Agency in Eurosurveillance ergeben, dass mehr als die Hälfte der Kinder nach einer prophylaktischen Therapie mit Oseltamivir unter Nebenwirkungen gelitten habe. © rme/aerzteblatt.de

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