Eingeloggt als

Suchen in

5.756 News Politik

Politik

Ein Viertel des Krankenhauspersonals würde bei einer Influenzapandemie nicht arbeiten wollen

Montag, 17. August 2009

Berlin – Noch verläuft die Neue Grippe in Deutschland meist mild. Aber im Fall einer schweren, pandemischen Influenzawelle, die nach Schätzung von Experten auch Deutschland treffen könnte, rechnet das Robert-Koch-Institut in Berlin mit bundesweit circa 13 Millionen zusätzlichen Arztbesuchen innerhalb von acht Wochen, 360 000 stationären Patienten und 96 000 Todesfällen (RKI, Nationaler Pandemieplan Teil I – III, http://www.rki.de). Die Krankenhäuser würden also erheblich mehrbelastet.

Aber würden ihre Mitarbeiter dann überhaupt zur Arbeit kommen? Der Betriebsärztliche Dienst der Universitätsklinik Frankfurt am Main fragte im Rahmen einer Impfung gegen die saisonale Influenza anonym 1231 Mitarbeiter (circa ein Drittel aller Beschäftigten): „Stellen Sie sich vor, es ist zum Ausbruch einer weltweiten Grippewelle (Influenzapandemie) mit hohen Erkrankungszahlen in Frankfurt und vielen Erkrankten am Universitätsklinikum gekommen – würden Sie zur Arbeit kommen, wenn Sie gesund wären?“

Nur 72,9 Prozent der Befragten beantworteten die Frage mit „ja“ (Bundesgesundheitsblatt 8; 2009: 862-9). Unter den Ärzten waren es 86,8 Prozent, beim Pflegepersonal antworteten 70,5 Prozent der Teilnehmer, sie würden in einem solchen Fall arbeiten, in der Verwaltung waren es lediglich 61,8 Prozent.

14,3 Prozent aller Befragten würden nicht arbeiten wollen (unter den Ärzten 6,1 Prozent) die übrigen wussten nicht, wie sie sich entscheiden würden. Als Beweggründe, nicht zur Arbeit erscheinen zu wollen, wurde am häufigsten die Angst um die Familie (77,2 Prozent) und um die eigene Gesundheit (71,6 Prozent) genannt.

Es sei ein überraschend hoher Anteil des Klinikpersonals, der im Fall einer Pandemie womöglich nicht zur Arbeit kommen werde, so die Autoren, und wenn eine Pandemie mit einer im Vergleich zur saisonalen Influenza erhöhten Morbidität und Mortalität Realität würde, könnte „die Bereitschaft zur arbeiten, noch weitaus geringer sein“. Möglicherweise habe ein Teil  den sozialen Erwartungen an altruistisches Verhalten entsprechend geantwortet. 

Überrascht hat die Autoren auch, dass nur 55,5 Prozent der Befragten es als ethische Pflicht ansehen würden, in einem solchen Fall zu arbeiten, unter den Ärzten waren es 66,6 Prozent, unter den Pflegekräften 53,3 Prozent. Nur 51 Prozent der Befragten meinten, der Arbeitgeber tue im Pandemiefall alles, um die Mitarbeiter vor einer Ansteckung zu schützen, und nur 10,5 Prozent trauten solche optimalen Anstrengungen der Politik zu.

Fazit der Autoren: Pandemiepläne sollten nicht nur den Anteil erkrankter Mitarbeiter berücksichtigen, sondern  auch den Anteil derer, die zwar gesund sind, aber auf Grund persönlicher Ängste und Verpflichtungen nicht zur Arbeit kommen würden. Es müssten rechtzeitig „vertrauensbildende Maßnahmen“ ergriffen werden, damit die Klinikumsmitarbeiter Gewissheit bekommen, im Fall einer Pandemie optimal geschützt zu sein.

Es gelte aber auch, den Mitarbeitern ihre persönliche Rolle zur Aufrechterhaltung eines funktionierenden Gesundheitswesens im Fall einer Influenzapandemie bewusst zu machen, und zwar nicht nur jenen, die direkt mit der Patientenversorgung betraut sind, sondern auch Mitarbeitern aus Labordiagnostik, Technik, Reinigung und Verwaltung. © nsi/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
5.756 News Politik

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste