Gentherapie bei erblicher Erblindung langfristig erfolgreich
Donnerstag, 13. August 2009
Philadelphia – Patienten mit Leberscher kongenitaler Amaurose (LCA) dürfen weiter auf eine Gentherapie hoffen. Eine Publikation in Human Gene Therapy (2009; doi: 10.1089/hum.2009.086) zeigt, dass die ersten drei Patienten, bei denen die Therapie vor einem Jahr durchgeführt wurde, heute über die gleiche Sehkraft verfügen wie nach der Behandlung. Bei einer Patientin kam es einem Leserbrief im New England Journal of Medicine (2009; 361: 725-727) zufolge sogar zu einer wundersamen Verbesserung.
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Ursache der LCA ist ein Defekt im RPE65-Gen. Es kodiert ein Enzym, das für das Recycling des Sehpurpurs in der Retina benötigt wird. Der Gendefekt hat zur Folge, dass der Sehpurpur nach der Geburt schnell aufgebraucht wird.
Auch die drei 22, 24 und 25 Jahre alten Patienten waren seit ihrer Geburt legal erblindet. Das heißt, sie konnten mit ihren Augen nur schemenhaft Dinge erkennen, sie konnten aber nicht lesen und sie waren im Alltag auf fremde Hilfe angewiesen.
Sie wurden für die Therapie ausgewählt, weil die Ophthalmologen in der Retina noch Regionen mit gut erhaltenen Photorezeptoren gefunden hatten, was nicht der Normalfall ist, denn ein Kennzeichen der LCA ist die allmähliche Degeneration der funktionslosen Sinneszellen.
Bei den Patienten wurde die besten erhaltene Region der Retina mit Adenoviren unterspritzt, denen die Forscher die korrekte Version des RPE65-Gens implantiert hatten. Es bestand die – auf tierexperimentellen Studien basierende – Hoffnung, dass die Gene in den Sinneszellen die korrekte Version des Enzyms bilden.
Die vor einem Jahr publizierten Ergebnisse belegten, dass die Patienten tatsächlich an Sehkraft gewannen, wenn auch auf einem niedrigen Niveau. Das eigentliche Ziel der Phase-I-Studie war die Sicherheit der Therapie. Auch wenn die Operationen technisch erfolgreich verliefen (sieht man von der Beschädigung der Retina bei einem Patienten ab), war nicht sicher, ob das Immunsystem die Adenoviren akzeptieren würde.
Man musste befürchten, dass eine Entzündungsreaktion die bescheidene (für die Lebensqualität der Patienten gleichwohl wichtige) Verbesserung des Visus wieder zunichte machen könnte. Diese Gefahr scheint nach der neuen Publikation nicht zu bestehen. Wie Artur Cideciyan vom Scheie Eye Institute in Philadelphia und Mitarbeiter berichten, sind alle immunologischen Tests weiterhin unauffällig und auch der Visus der Patienten hat sich nicht wieder verschlechtert.
Bei einer Patientin kam es sogar zu einer Verbesserung der Sehleistung. Sie berichtete den Ärzten bei einer Nachuntersuchung, sie könne seit kurzem die Zahlen auf einer hintergrundbeleuchteten Uhr auf dem Steuerbrett des Autos erkennen.
Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Zahlen erkennen konnte. Das war erstaunlich, da bei der Patientin die Fovea, der Ort des schärfsten Sehen und des Lesens, gar nicht behandelt worden war.
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