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Montag, 17. August 2009
Orale Kontrazeptiva: Große Unterschiede im Thromboserisiko

Leiden/Kopenhagen – Die Gefahr, dass es unter der Einnahme von oralen Kontrazeptiva zu einer lebensgefährlichen tiefen Venenthrombose kommt, ist absolut gesehen gering. Bei der relativen Risikoabschätzung gibt es jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Präparaten, die nach den Ergebnissen zweier Studien im Britischen Ärzteblatt (BMJ) nicht nur von der Dosis der Östrogene, sondern auch von der Wahl des Gestagens und der Dauer der Anwendung abhängen.

Dass die Pille eine tiefe Venenthrombose begünstigt, wurde bereits 1961 kurz nach ihrer Einführung erkannt. Seither hat eine Reihe von Studien ein zwei- bis sechsfach erhöhtes relatives Risiko gezeigt, schreibt die Gruppe um den Epidemiologen Frits Rosendaal von der Universität Leiden.

Die Hersteller haben sich bemüht, das Risiko durch eine Reduktion des Östrogengehalts zu minimieren. Unterschätzt wird jedoch, dass auch die Wahl des Gestagens eine Rolle spielt, wie die Fall-Kontroll-Studie der niederländischen Forscher zeigt (BMJ 2009; 339: b2921).

Sie stellt die Daten von 1.524 Frauen, die zwischen 1999 und 2004 an sechs Zentren in den Niederlanden wegen einer tiefen Venenthrombose behandelt wurden, 1.760 gesunden Kontrollen gegenüber.

Ergebnis: Aktuelle Anwenderinnen oraler Kontrazeptiva hatten ein 5-fach erhöhtes relatives Risiko auf diese Komplikation (Odds Ratio OR 5,0; 95-Prozent-Konfidenzintervall 4,2-5,8). Niedriger war das relative Risiko, wenn Levonorgestrel der Kombinationspartner zum Östrogen war (OR 3,6), während Gestoden (OR 5,6), Drospirenon (OR 6,3), Cyproteronacetat (OR 6,8) und Desogestrel (OR 7,3) als Gestagenanteil der Pille sich ungünstig auswirkten.

In der zweiten Studie führten Øjvind Lidegaard und Mitarbeiter der Universität Kopenhagen einen Datenabgleich zwischen zwei landesweiten Registern durch. Eines erfasste die Entlassungsdiagnosen dänischer Kliniken, das andere die Verschreibung von Medikamenten, zu denen auch die oralen Kontrazeptiva gehören (BMJ 2009; 339: b2890).

Während 3,3 Millionen Anwenderjahren kam es zu 2.045 Thromboembolien bei aktuellen Anwenderinnen der oralen Kontrazeptiva, was zeigt, dass das absolute Risiko für die Frauen sehr gering ist: Auf 10.000 Anwenderinnenjahre kamen 6,29 Ereignisse.

Bei den Nichtanwenderinnen waren es 3,01 Ereignisse auf 10.000 Frauenjahre. Setzt man beide Zahlen in Beziehung, ergibt dies ein mehr als zweifach erhöhtes Risiko. Bemerkenswert ist, dass das relative Risiko in der Kohortenstudie niedriger ausfällt als in Fallkontrollstudie. 

Wie in der niederländischen Studie wird das Risiko auch in der dänischen Studie durch die Wahl des Gestagens beeinflusst: Verglichen mit Levonorgestrel ist das Risiko unter Norgestimat 1,19-fach, unter Desogestrel 1,82-fach, mit Gestoden 1,86-fach, mit Drospirenon 1,64-fach und mit Cyproteron 1,88-fach erhöht. Norethisteron ist inbezug auf dieses Risiko mit Levonorgestrel gleichwertig. 

Dieser Vergleich gilt unter der Voraussetzung, dass die Pille gleich lange eingenommen wurde und die Östrogendosis der Pillen gleich war. Beides sind eigenständige Risikofaktoren: Für das erste Jahr der Anwendung oraler Kontrazeptiva ermitteln die dänischen Forscher ein 4,17-fach erhöhtes Risiko, nach 1 bis 4 Jahren Anwendung ist es nur noch 2,73-fach und nach mehr als 4 Jahren noch 2,76-fach erhöht.

Damit kommen die beiden Studien trotz des unterschiedlichen Designs doch zu bemerkenswert ähnlichen Ergebnissen, schreibt Nick Dunn von der Universität Southampton im Editorial (BMJ 2009; 339: b3164). Hinsichtlich des Thromboserisikos seien Präparate mit Levonorgestrel oder Norethisteron und einem niedrigen Östrogengehalt die sichersten oralen Kontrazeptiva. Er weist aber auch darauf hin, dass das absolute Risiko der Frau sehr gering ist. © rme/aerzteblatt.de

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