Medizin

Adipositas lässt Gehirn schneller altern

Montag, 24. August 2009

Los Angeles – Eine Adipositas beschleunigt die biologische Alterung des Gehirns. Nach einer Studie in Human Brain Mapping (2009; doi: 10.1002/hbm.20870) ist die Hirnatrophie im Senium bei Übergewichtigen und Fettleibigen um mehrere Jahre weiter fortgeschritten.

Eigentlich sind die Ergebnisse von Paul Thompson vom Laboratory of Neuro Imaging an der Universität Los Angeles keine Überraschung. Übergewicht ist ein etablierter Risikofaktor für Typ-II-Diabetes mellitus, Hypertonie und Schlaganfall. Alle drei Erkrankungen wiederum gehen mit zerebrovaskulären Durchblutungsstörungen einher, die einen kognitiven Abbau und eine Demenz im Alter zur Folge haben können.

Aber auch bei Übergewichtigen, die im Alter ihre kognitiven Fähigkeiten behalten, gibt es Veränderungen, die Thompson mit einer Spezialmethode der Magnetresonenztomografie messen konnte: Die tensorbasierte Morphometrie kann das Volumen von weißer und grauer Hirnsubstanz genau bestimmen.

In der Studie wertete Thompson fünf Jahre alte Aufnahmen von über 70-Jährigen aus, die seither nicht an eine Demenz erkrankt waren. Auch die 51 übergewichtigen Teilnehmer dieser Gruppe hatten ihre kognitiven Fähigkeiten erhalten. Doch ihre Gehirne waren um 6 Prozent kleiner. Bei den 14 fettleibigen Teilnehmern war das Gehirn sogar um 8 Prozent geschrumpft, was einem Unterschied im biologischen Alter um 16 Jahre entspricht, wie der Hirnforscher den Reportern des New Scientist erklärte.

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Am stärksten betroffen waren die frontalen, temporalen und subkortikalen Hirnregionen, die am Urteilsvermögen und an den Gedächtnisleistungen beteiligt sind. Die Hirnatrophie könnte deshalb ein erstes Zeichen einer – trotz derzeit noch normaler Testergebnisse – bevorstehenden Hirnleistungsschwäche sein.

In noch nicht publizierten Studien will Thompson gezeigt haben, dass eine vermehrte sportliche Aktivität einer Hirnatrophie im Alter vorbeugen kann, wobei die Auswirkungen des Übergewichts nur durch ein sehr anspruchsvolles Sportprogramm kompensiert werden könnten, so der Hirnforscher.

Bewiesen ist dies jedoch nicht. Die schwedische Hirnforscherin Deborah Gustafson von der Universität Göteborg könnte sich auch vorstellen, dass eine Hirnatrophie im Alter die Ursache des Übergewichts ist, da sich im frontalen und temporalen Gehirn auch Hirnzentren befinden, welche die Nahrungsaufnahme und den Stoffwechsel beeinflussen. Eine Atrophie könnte eine ungezügelte Nahrungsaufnahme zur Folge haben. © rme/aerzteblatt.de

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