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Kassenärztetag: Bischof Huber beklagt „Diktat der Ökonomie“

Dienstag, 1. September 2009

Berlin – Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, beklagt ein wachsendes „Diktat der Ökonomie“ im Gesundheitssystem. Die „Managementlogik“, die zunehmend Einzug im Gesundheitswesen erhalte, habe ihre Grenzen, sagte Huber am Dienstag auf dem Deutschen Kassenärzetag in Berlin. Die Grenze sei etwa überschritten, wenn Patienten aus Kostengründen vorzeitig aus dem Krankenhaus entlassen würden.

Huber erinnerte an die „tragenden Werte“ im Gesundheitssystem wie Solidarität, Nächstenliebe und eine Würdigung der Kranken und Schwächeren. Diese Werte drohten zu „verblassen, wenn wir uns im Wesentlichen medizinisch, technisch und ökonomisch über Gesundheit unterhalten“.

Die Zeit für Zuwendung auf Kinderstationen im Krankenhaus sowie für Gespräche mit Krebspatienten und Sterbenden müssten in den Kalkulationen von Kliniken ebenso berücksichtigt werden wie die restliche medizinische Therapie, forderte Huber. Die Gesundheitsversorgung müsse „ganzheitlich ausgerichtet“ sein und die gesamte Lebenssituation eines Menschen im Blick haben anstatt nur einzelner Diagnosen. Palliativmedizin und Pflege müssten gestärkt werden. Grundsätzlich dürfe der Zugang zur Gesundheitsversorgung auch nicht vom Einkommen, der Herkunft oder dem Alter eines Patienten abhängen, sondern müsse allen offen stehen.

Zugleich betonte der EKD-Chef, ein „totales Versorgungssystem“ – ohne Eigenverantwortung und Beistand von Familie, Nachbarn oder Freunden – sei „nie intendiert“ gewesen und auch nicht finanzierbar. Solidarität schließe Eigenverantwortung nicht aus. Vielmehr müssten die „persönlichen Ressourcen“ der Patienten und ihrer Angehörigen gestärkt werden. Das Gesundheitssystem werde auf lange Sicht nur finanzierbar sein, wenn die Bereitschaft in der Gesellschaft wachse, etwas für die eigene Gesundheit zu tun – auch ohne dass es dafür zusätzliches Geld von der Krankenkasse gebe. © ddp/aerzteblatt.de

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