Dienstag, 1. September 2009
Geplante Hausgeburt so sicher wie Entbindung in der Klinik
Vancouver – Eine geplante Hausgeburt war in einer prospektiven Kohortenstudie im Canadian Medical Association Journal (CMAJ 2009; doi: 10.1503/cmaj.081869) nicht mit einem Anstieg der perinatalen Mortalität verbunden. Die Rate geburtshilflicher Interventionen war sogar deutlich niedriger. Die Kriterien für eine Hausgeburt waren: Abwesenheit von Krankheiten der Mutter (Herz, Niere, Typ-I-Diabetes mellitus) und die Abwesenheit von Schwangerschaftsrisiken (Gestose, Blutungen, insulinpflichtiger Gestationsdiabetes, Herpes, Plazentastörungen). Außerdem musste eine Einzelschwangerschaft in Kopflage vorliegen mit einem Gestationsalter von 36 bis 41 Wochen bei Einsetzen von spontanen Wehen. Weitere Voraussetzung war maximal ein früherer Kaiserschnitt. Primärer Endpunkt war die perinatale Mortalität. Sie lag in allen drei Gruppen bei unter 1 Promille. Die Hausgeburt gefährdete also das Leben des neugeborenen Kindes nicht. Auch die mütterliche Morbidität war nicht erhöht. Im Gegenteil: Postpartale Blutungen (minus 38 Prozent), Infektionen (minus 61 Prozent) und eine Pyrexie (minus 55 Prozent) traten bei den Müttern, die zuhause entbunden wurden, sogar seltener auf als bei einer durch eine Hebamme geleitete Klinikgeburt. Wenn die Geburt von einem Arzt geleitet wurde, war der Unterschied sogar noch größer (minus 43 Prozent, minus 74 Prozent und minus 73 Prozent). Ob dies nicht doch ein Hinweis auf eine Selektion der schlechteren Risiken für eine Klinikentbindung ist, lässt sich, wie erwähnt, nicht völlig ausschließen, auch wenn ein Vergleich der Patienteneigenschaften (Tabelle 1) keine Hinweise dafür liefern. Frauen, die zuhause gebaren, waren deutlich seltener geburtshilflichen Interventionen ausgesetzt wie dem elektrischen fetalen Monitoring (minus 68 Prozent) oder einer assistierten vaginalen Entbindung (minus 59 Prozent). Die Frauen erlitten auch seltener Verletzungen: Perineale Risse dritten oder vierten Grades traten zu 59 Prozent seltener auf. Auch für die Kinder könnte die Hausgeburt weniger traumatisch gewesen sein: Sie mussten zu 77 Prozent seltener wiederbelebt werden und erhielten zu 63 Prozent seltener Sauerstoff in den ersten 24 Stunden. Offen ist, ob dies Folge einer schwereren Geburt in der Klinik war oder eine durch die leichte Verfügbarkeit induzierte Übertherapie. © rme/aerzteblatt.de Um Nachrichten kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden. |
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