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HIV-Impfstoff: Breitband-Antikörper schützen vor Erkrankung

Freitag, 4. September 2009

La Jolla/New York City – US-Forscher haben im Blut eines Langzeit-HIV-Infizierten zwei Breitbandantikörper gefunden, die vermutlich erklären, warum der Mann auch ohne Therapie nicht an Aids erkrankt. Die in Science (2009; doi: 10.1126/
science.1178746) vorgestellten Ergebnisse schaffen einen neuen Ansatzpunkt für die Impfstoffherstellung.

Alle Versuche einen Impfstoff gegen HIV zu entwickeln, sind in der Vergangenheit gescheitert. Die erste Vakzine war 2003 zu schwach, eine andere erhöhte 2007 in der STEP-Studie sogar das Infektionsrisiko der Geimpften. Die International AIDS Vaccine Initiative (IAVI) hat die Forschung jedoch nicht aufgegeben und jetzt einen möglichen neuen Ansatz gefunden. Er könnte in der Induktion von sogenannten Breitband-Antikörpern (broadly neutralizing antibodies, bNAb) bestehen.

Die Existenz von bNAb wird seit längerem vermutet, da es bei einigen Infizierten auch ohne Therapie nicht zu einem Abfall der CD4-Zellen kommt. Das Immunsystem dieser Menschen bildet offenbar Antikörper, die das HI-Virus in Schach halten, obwohl sich das Virus genetisch ständig verändert. Die Erklärung ist einfach. Die Antikörper binden an Regionen des Virus, die keiner Veränderung unterliegen, weil dies wichtige Funktionen des Virus beeinträchtigen würde.

Diese Antikörper zu finden, ist jedoch nicht einfach, da jeder Mensch zigtausende verschiedener Antikörper bildet. In der Vergangenheit wurden nur vier bNAb entdeckt, die aber alle nicht für die Entwicklung von Impfstoffen geeignet waren. Seit 2006 hat das IAVI die Suche nach weiteren bNAb intensiviert.

Für die aktuelle Studie wurden zunächst 1.800 HIV-Infizierte (aus mehreren Hochendemieländern) nach der Fähigkeit ihres Serums gescreent, HI-Viren zu erkennen. Anders als bei früheren Versuchen wurde nicht einfach untersucht, ob das Serum HI-Viren in Lösung binden kann. Mit einem neuen Assay, den die Firma Monogram Biosciences entwickelt hat, wurde getestet, ob die Antikörper die Viren davon abhalten können, die Zellen zu infizieren, was der natürlichen Infektion näher kommt.

Die Gruppe um Dennis Burton vom Scripps Research Institute in La Jolla wählte dann einen Patienten aus, dessen Serum eine besonders ausgeprägte Fähigkeit zur Neutralisierung unterschiedlicher HI-Viren hatte. Er gehörte zu den „Elite controller“ - Patienten, die auch vielen Jahren einer HIV-Infektion nicht an Aids erkranken.

Im Blut dieses Patienten wurde dann nach den für den breiten Schutz verantwortlichen Antikörpern gesucht, wobei ein Verfahren einer anderen Firma, Theraclone Sciences, verwendet wurde.

Den neuen Techniken ist es letztlich zu verdanken, dass nach mehr als einem Jahrzehnt zwei bisher unbekannte bNAb entdeckt wurden. Sie neutralisierten mehr als 75 Prozent aller HI-Viren. Die Forscher konnten auch die Angriffspunkte dieser beiden bNAb ermitteln. Sie binden an einem Teil (Epitop) des Oberflächenproteins gp120, das für die Bindung der HI-Viren an den CD4-Zellen von großer Bedeutung ist.

Die Forscher hoffen mit diesem Epitop einen möglichen Ansatzpunkt für einen Impfstoff gefunden zu haben. Ob ein Impfstoff mit diesem Bestandteil allerdings auch bei anderen Menschen in der Lage ist, die bNAb zu bilden, die sie bei einer Infektion vor einer Erkrankung schützen würde, bleibt abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

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