Kopenhagen – Neben einem Übermaß an (viszeralem) Fettgewebe scheint auch ein Mangel an Muskelmasse ein Herz-Kreislauf-Risiko zu sein. Ein geringer Oberschenkelumfang jedenfalls war in einer prospektiven Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 339: b3292) mit einem erhöhten kardiovaskulären Sterberisiko assoziiert.
Berit Heitmann vom Institut für Präventivmedizin an der Universität Kopenhagen hat die Daten der „MONItoring CArdiovascular disease“ oder MONICA-Studie ausgewertet, einem früheren Projekt der Weltgesundheitsorganisation zur Ermittlung kardiovaskulärer Risikofaktoren.
An der Studie hatten sich 1987/8 auch 1.463 Männer und 1.380 Frauen aus Dänemark beteiligt. Bei ihnen war neben der Hüft- und der Bauchweite auch der Umfang des Oberschenkels direkt unterhalb der Glutealfalte gemessen worden.
Die Forscherin hat nun recherchiert, welche Teilnehmer in den folgenden zehn Jahren wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen hospitalisiert wurden oder daran starben, was durch die Analyse der landesweiten Register in Dänemark leicht möglich ist, denn die einzelnen Personen haben in Dänemark in allen Registern die gleiche Identifikationsnummer.
Die Ergebnisse zeigen, dass Männer und Frauen mit mageren Oberschenkeln ein erhöhtes Sterberisiko haben. Auch die Zahl der koronaren Herzkrankheiten war hier höher. Unter einem Grenzwert von etwa 60 cm war das Erkrankungs- und Sterberisiko mehr als verdoppelt. Oberhalb dieses Umfangs bestand keine Assoziation mehr. Das Risiko war unabhängig von den bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren wie Rauchen, Cholesterinwert oder auch einer Adipositas.
Ein geringer Oberschenkelumfang darf keinesfalls als Anzeichen eines Untergewichts gedeutet werden. Die Ergebnisse stellen auch nicht den etablierten Risikofaktor Adipositas infrage. Heitmann deutet den geringen Oberschenkelumfang als Zeichen für einen Mangel an Muskulatur, der nach den Ergebnissen anderer Studien mit einer verminderten Insulinsensitivität einhergeht.
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