Cardiff/Lille – Zwei europäische Forschergruppen haben unabhängig voneinander eine Genvariante entdeckt, deren Träger ein vermindertes Risiko auf einen Morbus Alzheimer haben. Beide Gruppen beschreiben in Nature Genetics (2009; doi:10.1038/ng.439 und 440) jeweils noch ein weiteres Alzheimer-Risikogen.
Die Entdeckung von Risikogenen für den Morbus Alzheimer ist nicht ungewöhnlich. Mehr als 550 Gene sollen in den letzten Jahren beschrieben worden sein. Fast immer waren sie auf einzelne Familien beschränkt, oder aber die Ergebnisse ließen sich von anderen Forschern nicht reproduzieren.
In diesem Sinne ist die Entdeckung einer Genvariante auf dem Chromosom 8 bemerkenswert, denn es könnte sich um das zweite „echte“ Risikogen für den Morbus Alzheimer handeln nach dem ApoE4, das 1993 von US-Forschern beschrieben wurde, damals noch mit dem Mitteln der „konventionellen“ Genetik.
Inzwischen setzen die Forscher auf Masse. In kostenintensiven genomweiten Assoziationsstudien (GWAS) wird nach genetischen Varianten gesucht, in denen sich Patienten und Gesunde unterscheiden. Je mehr Patienten untersucht werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Risikogen gefunden ist, desto geringer ist häufig aber auch deren Auswirkung auf das Krankheitsrisiko.
In der bislang größten GWAS zum Morbus Alzheimer hat die Gruppe um Julie Williams of Cardiff University die Gene von rund 16.000 Personen verglichen. Bei der Gruppe um Philippe Amouyel von der Universität Lille waren es mit circa 14.600 Personen kaum weniger. Beide Gruppen stießen auf die gleiche Genvariante, deren Träger zu 14 Prozent seltener als Gesunde an einem Morbus Alzheimer erkranken.
Verantwortlich ist eine Veränderung im CLU-Gen. Es kodiert das Protein Clusterin (auch Apolipoprotein J genannt), das an der Entsorgung von Zellabfällen und an der Apoptose beteiligt sein soll. Das macht eine Beteiligung an der Pathogenese des Morbus Alzheimer durchaus plausibel. Denn die degenerative Hirnerkrankung lässt sich als Folge einer intrazellulären Störung der Müllabfuhr (von Amyloidprecursoren) deuten.
Der Einfluss der CLU-Variante auf das Erkrankungsgeschehen dürfte jedoch gering sein, wie der Vergleich mit ApoE zeigt, dessen Bedeutung die Gruppe um Williams bestätigten konnte. Träger der Genvarianten hatten ein um 80 Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko. Das ist ebenfalls nicht gerade viel, weshalb ein Test auf ApoE-Varianten unter Humangenetikern auch umstritten ist.
zum Thema |
| Versenden | Teilen |
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.