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Panikzellen in der Retina entdeckt

Montag, 7. September 2009

Basel – Der angeborene Fluchtreflex beginnt bereits im Auge. Am Anfang steht die Aktivierung spezialisierter Nervenzellen in der Retina. Sie reagieren einer Studie in Nature Neuroscience (2009; doi: 10.1038/nn.2389) zufolge selektiv auf sich rasch nähernde Objekte und können dann kurzzeitig den Blick für andere Dinge verstellen.

Die Netzhaut enthält keinesfalls nur Zapfen und Stäbchen zur Wahrnehmung von Farben und das Schwarz/Weiß-Sehen, sondern noch eine Reihe nachgeschalteter Nervenzellen. Sie sind eine erste Relaisstation der Informationsverarbeitung mit der Möglichkeit eines direkten Feedbacks auf benachbarte Zellen – was eine rasche Reaktion auf äußere Bedrohungen ermöglicht.

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Bei der Maus kann dies bei Annäherung eines Raubvogels lebensrettend sein, Menschen können auf eine unerwartete Gefahr im Straßenverkehr reagieren. Dass Maus und Mensch sich dann in letzter Sekunde in Sicherheit bringen können, dürfte mit den PV5-Ganglienzellen zusammenhängen, welche die Gruppe um Botond Roska vom Friedrich Miescher-Institut in Basel in der Retina von Mäusen gefunden hat.

PV5-Ganglienzellen sammeln Informationen von vielen kleinen Zellen der Retina, was es ihnen ermöglicht, die Ränder sich bewegender Objekte zu erfassen. Die Experimente der Forscher zeigen zum einen, dass sich nähernde Objekte die PV5-Ganglienzellen zu einer vermehrten Aktivität veranlassen. Sie informieren das Gehirn über die neue Situation.

Darüber hinaus kommt es zu einer Hemmung von Neuronen, welche andere Signale von sich nicht nähernden Objekten an das Gehirn weiterleiten. Das Ergebnis ist eine Fokussierung der Wahrnehmung auf eine potenzielle Gefahr, sicherlich im Sinne einer schnellen Reaktion, sei es die Flucht oder der Übergang zu einem Angriffsverhalten.

Die inhibitorischen Zellen waren den Neurowissenschaftlern bereits aus einem anderen Zusammenhang bekannt: dem Dunkelsehen. Interessanterweise wurden die Signale bei Tageslicht in der umgekehrten Richtung weitergegeben wie beim Dunkelsehen. Das deuten die Forscher als eine ökonomische Nutzung des vorgegebenen Nervennetzwerks der Retina, das zu verschiedenen Zeiten für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt werde. © rme/aerzteblatt.de

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