Southampton – Infektionen außerhalb des Gehirns können den geistigen Verfall bei Patienten mit Morbus Alzheimer beschleunigen. Zu diesem ungewöhnlichen Ergebnis kommt eine Beobachtungsstudie aus England in Neurology (Onlineausgabe). Die dortige Alzheimer's Society fordert eine konsequente Therapie von Infektionen bei den betroffenen Patienten.
Clive Holmes von der Universität Southampton und Mitarbeiter haben eine Gruppe von 222 älteren Patienten (Durchschnitt 83 Jahre) nach der Diagnose eines Morbus Alzheimer über sechs Monate beobachtet. In dieser Zeit kam es zu 150 Infektionen im Bereich der Atemwege, des Gastrointestinaltraktes oder anderen Orten außerhalb des Gehirns.
Sie schwächten nicht nur vorübergehend die körperlichen Kräfte der Patienten, sondern auch dauerhaft die kognitiven Fähigkeiten. Die Demenz schritt nach Auskunft der Autoren doppelt so rasch fort wie bei Alzheimer-Patienten, die keine Infektionen erlitten. Holmes glaubt ausschließen zu können, dass die Demenz die Infektionsanfälligkeit der Patienten erhöht hat.
Er vermutet, dass Entzündungsmediatoren, beispielsweise der Tumornekrosefaktor alpha, die bei schweren Infektionen ins Blut gelangen, das Gehirn schädigen. Die Alzheimer's Society, eine Selbsthilfeorganisation und Sponsor der Studie, fordert, dass Infektionen bei Patienten mit Morbus Alzheimer konsequent behandelt werden müssen.
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