Rotterdam – Durch den Kontakt mit anderen Kindern erkranken Kinder in Kindestagesstätten oder in größeren Familien häufiger an Atemwegsinfektionen. Das schützt sie jedoch nicht vor späteren Allergien, wie eine Studie im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (2009; 180: 491-498) zeigt, die damit die sogenannte Hygiene-Hypothese infrage stellt.
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Die Hygiene-Hypothese besagt, dass die heutige keimarme Umgebung die Entwicklung des Immunsystems während der Kindheit behindert. Da sie keine echten Krankheitserreger mehr bekämpfen müssen, suchen sich die Antikörper, stark vereinfacht ausgedrückt, „unechte“ Gegner in Form harmloser Allergene.
Für den Londoner Epidemiologen David Strachan, der die Hygiene-Hypothese vor fast genau zehn Jahren aufstellte, erklärt dies den starken Anstieg von Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma in der heutigen “postindustriellen” Welt. Als Beleg diente ihm eine Analyse des Geburtsjahrgangs 1958, in welchem die Inzidenz allergischer Erkrankungen invers mit der Anzahl der Geschwister in der Familie korrelierte.
Zu einem anderen Ergebnis kommt jetzt Johan de Jongste von der Erasmus Universität in Rotterdam. Der Forscher hat die Ergebnisse der Prevention and Incidence of Asthma and Mite Allergy oder PIAMA-Studie ausgewertet, die seit 1996 eine Kohorte von 3.500 Kindern seit ihrer vorgeburtlichen Phase begleitet.
Neben der Zahl der Geschwister wurde auch erfasst, ob und ab welchem Alter die Kinder in Tagesstätten betreut wurden. Nach der Hygienehypothese sollten Hortkinder häufiger und früher als andere an Atemwegserkrankungen leiden, die eine Folge des Erstkontaktes des Immunsystems mit Viren und Bakterien in unserer Umwelt sind. Dies war auch der Fall.
Kinder, die in den ersten beiden Lebensjahren in Tagesstätten betreut wurden, erkrankten doppelt so häufig an Atemwegsinfektionen, die in diesem Alter (wegen der noch sehr engen Atemwege) typischerweise mit einem Keuchen einhergehen. Wenn sie noch Geschwister hatten, war das Risiko sogar vierfach höher.
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