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ADHS: Dopaminstörung im Belohnungssystem

Mittwoch, 9. September 2009

Bethesda – Eine Störung der Dopaminsignale im Belohnungssystem des Gehirns könnte eine wesentliche Ursache der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sein. Das zeigen Untersuchungen mit der Positronenemissionstomografie (PET) im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2009; 302: 1084-1091).

In den letzten Jahren haben sich die Hinweise vermehrt, dass Störungen im Belohnungssystem des Gehirns, dessen zentraler Neurotransmitter Dopamin ist, für die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen beim AHDS verantwortlich sein könnten.

So erhöhen Genvarianten im Dopaminstoffwechsels das Erkrankungsrisiko ebenso wie äußerliche Faktoren, die Auswirkungen auf das Belohnungssystem haben – etwa ein Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft.

Mit derartigen Störungen lassen sich auch sehr leicht die Motivationsdefizite vieler Kinder erklären, deren Mitarbeit am schulischen Unterricht sich nach der Gabe von Stimulanzien wie Methylphenidat bessert, die ebenfalls auf das Dopaminsystem wirken.

Das Belohnungssystem ist im Gehirn im Wesentlichen im Nucleus accumbens lokalisiert und hier sollen vor allem die dopaminergen Fasern, die vom ventralen Tegmentum kommen, von Bedeutung sein. Frühere Studien mit der funktionellen Magnetresonanztomografie hatten bereits gezeigt, dass bei ADHS-Patienten der Nucleus accumbens bei Belohnungsreizen vermindert aktiviert wird. Jetzt zeigen Nora Volkow vom US-National Institute on Drug Abuse in Bethesda in Maryland und Mitarbeiter, welche Defekte sich dahinter verbergen könnten.

Die Forscher untersuchten 53 erwachsene AHDS-Patienten, die niemals medikamentös behandelt wurden, und 44 gesunde Kontrolle mit der PET. Bei dieser Untersuchung werden den Probanden radioaktiv markierte Substanzen injiziert, die gezielt an Moleküle im Gehirn binden. Die Verteilung wird dann in den dreidimensionalen Bildern der PET sichtbar.

Für die Untersuchung verwendeten die Forscher zum einen einen Tracer, der D2/D3-Rezeptoren markiert. Dies sind die Bindungsstellen von Dopamin im Belohnungssystem. Außerdem wurde die Verteilung von Dopamin-Transportern, welche den Neurotransmitter bereitstellen, untersucht. Das Ergebnis bestätigte die Vermutung: Bei den AHDS-Patienten waren beide Marker für die Dopamin-Signalweiterleitung in den Synapsen vermindert.

Das bedeutet einmal, dass eine Störung im Belohnungssystem, wenn auch vielleicht nicht die Ursache der Erkrankung, so doch eine Erklärung für die Symptome ist, zu denen eine rasche Ablenkbarkeit und ein Mangel an Motivation gehört.

Die Patienten benötigen in der Schule besondere pädagogische Anreize, um für den Lernstoff motiviert zu werden, oder sie werden, was heute die Regel ist, mit Stimulanzien wie Methylphenidat behandelt, welche das Belohnungssystem künstlich aktiviert und damit die Chance erhöhen, dass die Patienten für schulische Aufgaben bereit sind.

Gleichzeitig erklären die Ergebnisse eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber einem Drogenkonsum, da diese bekanntlich ebenfalls das Belohnungssystem aktivieren. Das gestörte Essverhalten vieler Patienten mit Übergewicht lässt sich nach Einschätzung der Autoren darauf zurückführen, dass eine „Zufriedenheit“ mit den Mahlzeiten sich verspätet oder nicht einstellt.

Die medikamentöse Therapie könnte dies verhindern. Da sie ebenfalls das Belohnungssystem aktiviert, entfällt die Neigung, die Defizite in diesem Bereich auf andere Weise, etwa durch den Konsum illegaler Drogen zu kompensieren. © rme/aerzteblatt.de

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