Medizin

Ghostwriting in führenden Journalen weit verbreitet

Freitag, 11. September 2009

Chicago –. Viele Beiträge, die sechs führende internationale Medizin-Journale im letzten Jahr publiziert haben, wurden nicht von den Autoren verfasst, sondern von Ghostwritern, die vielfach ihr Honorar von den Firmen erhalten, deren Wirkstoffe in den Studien geprüft wurden. Dies geht aus einer anonymen Umfrage hervor, deren Ergebnisse jetzt auf einem Kongress in Vancouver vorgestellt wurden.

Vor 11 Jahren hatte die Gruppe um Phil Fontanarosa aus der Redaktion des US-amerikanischen Ärzteblattes JAMA in Chicago schon einmal eine Umfrage unter den Autoren führender Fachzeitschriften durchgeführt (JAMA 1998; 280: 222-4).

Damals wurden die korrespondierenden Autoren von 809 Publikationen aus dem Jahr 1996 noch per Brief kontaktiert: 11 Prozent der Antwortenden gaben an, dass Ghostwriter an ihren Manuskripten mitgewirkt hätten. Am häufigsten war dies (unter den allgemeinmedizinischen Journale) mit 16,2 beim New England Journal of Medicine der Fall, gefolgt von den Annals of Internal Medicine mit 15,3 Prozent und von JAMA mit 7,1 Prozent. Diese Praxis ist in den letzten Jahren allgemein kritisiert worden, da sie den Firmen, welche häufig die Ghostwriter bezahlen, eine Einflussmöglichkeit eröffnet, die nach heutigen Leitlinien offen gelegt werden muss.

Die Forscher hatten deshalb erwartet, dass bei ihrer aktuellen Umfrage, das Jahr 2008 betreffend, weniger Ghostwriter aktiv waren. Dieses Mal wurden die Autoren online kontaktiert. Die auf dem Sixth International Congress on Peer Review and Biomedical Publication in Voncouver vorgestellten Ergebnisse zeigen: Noch immer sind an 10,9 Prozent der vom New England Journal of Medicine publizierten Arbeiten (egal ob Forschungsbericht, Übersicht oder Editorial) Autoren am Werk, deren Existenz verschwiegen wird. Bei JAMA waren es 7,9 Prozent, beim Lancet 7,6 Prozent, bei PLoS Medicine 7,6 Prozent, bei den Annals of Internal Medicine 4,9 Prozent und bei Nature Medicine 2 Prozent (Zahlen nach einem Bericht der New York Times).

Die Umfrage selbst ist noch nicht durch Gutachter geprüft und noch nicht publiziert (was manchmal noch zu Änderungen führt) und das Design der beiden Studien ist nur begrenzt vergleichbar. Das Ergebnis ist für die Fachzeitschriften, die ein Ghostwriting eigentlich ausschließen ein „vollkommener Schock“.

So bezeichnete es Karen Buckley, eine Sprecherin des NEJM, die dann in einer Stellungnahme die Ergebnis doch noch relativieren wollte. Der Begriff “Ghostwriter” sei doch eher weit gefasst worden, meinte sie, was die Autoren aber entschieden zurückwiesen. Es sei die allgemein übliche Definition verwendet worden. © rme/aerzteblatt.de

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