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Duschköpfe als Infektionsquelle

Dienstag, 15. September 2009

Boulder – Die feuchte warme Umgebung in Badezimmerarmaturen bildet ideale Bedingungen für die Vermehrung von Bakterien. US-Forscher haben in einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2009, doi: 10.1073/pnas.0908446106) in den Duschköpfen bedenkliche Konzentrationen verschiedener opportunistischer Erreger gefunden, darunter Mycobacterium avium.

Lungenentzündungen durch atypische Erreger wie M. avium haben nach Auskunft von Norman Pace von der Universität von Colorado in Boulder in den letzten Jahren zugenommen. Und das an sich begrüßenswerte Bestreben gefährdeter Menschen – in der Regel Menschen mit Abwehrschwächen aber auch Schwangere – nach Reinlichkeit könnte diese Infektionen begünstigen.

Denn beim Duschen werden Bakterien, die in den Duschköpfen enthalten sind, in der Luft an Wassertröpfen gebunden verteilt, was die Infektiosität erhöht. 

Die Bakterien vermehren sich in einem Biofilm auf der Oberfläche der Armaturen, wo sie mit bakteriologischen Kulturen nur schwer nachweisbar sind: 99,9 Prozent der Erreger werden mit herkömmlichen Methoden übersehen, heißt es in der Pressemitteilung, was ein wenig übertrieben klingt.

Doch ein von Pace entwickeltes spezielles Nachweisverfahren mit einer Gensonde ergab dann doch deutlich erhöhte Konzentrationen an opportunistischen Erregern, allen voran M. avium. Die Konzentrationen sollen mehr als hundertfach höher sein als im Leitungswasser.

Dort haben Krankheitserreger eigentlich nichts zu suchen, doch die Wasserqualität soll gerade in US-Großstädten des Öfteren zu wünschen übrig lassen: Etwa 30 Prozent der untersuchten Duschköpfe in neun US-Großstädten, darunter New York City, Chicago und Denver, waren mit M. avium kontaminiert.

Für Gesunde stellt dieser Erreger, wie gesagt, keine Gefahr dar. Ob Immungeschwächte tatsächlich häufiger erkranken, wenn sie öfter duschen, lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Interessant wäre beispielsweise ein Vergleich mit Personen, die ein Wannenbad bevorzugen. Auch der Ratschlag von Pace, Plastikarmaturen gegen Metallarmaturen auszutauschen, beruht letztlich nur auf Plausibilitätsüberlegungen, die in den Medizin leicht zu falschen Schlüssen führen.

Pace hat Dusch- und Badefreunde in der Vergangenheit bereits mehrfach verunsichert. So wies er gefährliche Bakterien im Schaum auf Duschvorhängen (Appl Environ Microbiol 2004; 70: 4187-92) oder im Schwimmbecken von Kliniken (PNAS 2005; 102: 4860-5) nach. Derzeit sucht er in der Luft der New Yorker U-Bahn, in Wartesälen von Krankenhäusern, in öffentlichen Bürogebäuden und Obdachlosenunterkünften nach gefährlichen Erregern. © rme/aerzteblatt.de

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