Leicester – Eine in der Neonatologie seit Jahrzehnten etablierte Therapie könnte auch erwachsenen Patienten mit schwerem, aber reversiblen akutem Lungenversagen nutzen: Die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) war in einer randomisierten Studie im Lancet (2009; doi: 10.1016/S0140-6736(09)61069-2) einer künstlichen Beatmung überlegen. ECMO ist auch eine Option bei schwersten Verläufen der Schweinegrippe.
Während dem Patienten bei einer mechanischen Beatmung der Sauerstoff weiterhin über die Atemluft zugeführt wird, erfolgt die Oxygenierung des Blutes bei ECMO außerhalb des Körpers. Die Technik ist die gleiche wie bei einer Herz-Lungen-Maschine, nur dass Letztere zusätzlich die Pumpfunktion des Herzens übernimmt. ECMO wird seit den 1980er-Jahren erfolgreich zur Behandlung des akuten Atemnotsyndroms (ARDS) bei extrem Frühgeborenen eingesetzt. Untersucht wurde auch bereits, ob ECMO bei Erwachsenen mit ARDS vorteilhaft ist, doch eine Studie der US-National Institutes of Health kam Ende der 70er-Jahre zu dem enttäuschenden Ergebnis, dass ECMO der kostengünstigeren künstlichen Beatmung nicht überlegen war (JAMA 1979; 242: 2193-6). Letztere ist nicht nur weniger aufwendig und kostengünstiger. Sie kommt vor allem ohne eine Heparinisierung des Blutes aus. Die Studie wurde damals vorzeitig abgebrochen. Eine 15 Jahre später publizierte randomisierte Studie konnte ebenfalls keine Vorteile zeigen (Morris et al.: Am J Respir Crit Care 1994; 149: 295-305).
Technische Fortschritte bei den ECMO-Geräten haben dann britische Intensivmediziner zu einem dritten Versuch veranlasst. Im Jahr 2001 begannen Giles Peek vom Glenfield Hospital in Leicester Patienten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren für die “Conventional ventilation or ECMO for Severe Adult Respiratory failure” oder CESAR-Studie zu rekrutieren. Einschlusskriterien waren ein potenziell reversibles ARDS und ein Murray-Score von 3 oder höher mit einer Hyperkapnie mit einem pH-Wert von unter 7,20. Diese Fälle traten in den 101 beteiligten Zentren so selten auf, dass bis 2006 nur 180 Patienten aufgenommen werden konnten (eine Selektion aus 766 gescreenten Patienten). Für die ECMO mussten die Patienten in ein Zentrum transportiert werden. Vor dem Eintreffen dort starben fünf der 90 auf ECMO randomisierten Patienten, bei 17 weiteren entschieden die Ärzte im ECMO-Zentrum, dass die Patienten doch besser beatmet werden. Am Ende wurde die ECMO nur bei 68 der 90 Patienten durchgeführt.
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