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Gentherapie der Farbenblindheit bei Primaten geglückt

Donnerstag, 17. September 2009

Gainesville/Florida – US-Forschern ist erstmals eine genetische Korrektur der Rot-Grün-Blindheit bei Primaten gelungen. In der Fachzeitschrift Nature (2009; doi: 10.1038/nature08401) berichten sie, wie erwachsene Totenkopfäffchen nach der Injektion von Genen unter die Retina langsam ein trichromatisches Sehen erlernten. Erste Kandidaten für klinische Studien könnten Patienten mit einer seltenen angeborenen Achromatopsie sein.

Bei Totenkopfäffchen (Saimiri sciureus) ist eine Rot-Grün-Blindheit bei Männchen der Normalzustand. Nur die Weibchen verfügen über alle drei Opsine für das Farbensehen. Bei den Männchen fehlt das Gen für das langwellige Opsin, genauer gesagt verfügen sie nur über eine Kopie dieses Gens, das auf dem X-Chromosom lokalisiert ist. Zum Farbensehen sind beim Totenkopfäffchen jedoch zwei Kopien erforderlich. Deshalb sehen nur die Weibchen in “tricolor”.

Um zwei Männchen von Saimiri sciureus von ihrer Rot-Grün-Blindheit zu “befreien”, verwendeten Gentechniker um William Hauswirth vom Gene Therapy Center in Gainesville/Florida die gleiche Technik, die auch bei der Behandlung der Leberschen kongenitalen Amaurose (LCA) beim Menschen zur Anwendung kam - mit bisher viel versprechenden Ergebnissen.

Die Technik besteht in der Injektion von genetisch modifizierten Adenoviren unter die Retina. Die Adenoviren liefern dort die korrekte Version des fehlenden Gens ab. Bei der LCA war dies das RPE65-Gen, das den Sehpurpur recycelt und damit eine allmähliche Erblindung verhindert. Bei den beiden Versuchstieren war es eine zusätzliche Kopie des langwelligen Opsins, die den Tieren für ein trichromatisches Sehen fehlte. Die Forscher injizierten die menschliche Variante des Gens, da ihr Ziel die Therapie der Farbenblindheit beim Menschen ist.

Ob die Therapie bei den beiden Totenkopfäffchen funktionierte, wurde mit einem Standardtest zum Farbensehen (Cambridge Colour Test) untersucht. Die bekannten Blätter wurden den Tieren auf einem berührungsempfindlichen Monitor vorgeführt. Die Tiere waren von Jay und Maureen Neitz, zwei Ophthalmologen der Universität von Washington in Seattle, jahrelang darauf trainiert worden, dass bei der Berührung der richtigen Farbsymbole eine Belohnung winkt.

Da das Erkennen von Farben nicht nur von den Sehpigmenten in der Retina abhängt, sondern die Information zusätzlich in der Sehrinde verarbeitet werden muss, war zunächst nicht klar, ob die Tiere die dritte Farbe auch deuten konnten. Tatsächlich dauerte es einige Wochen, bis es zu einer Veränderung im Farbtest kam. Nach etwa 20 Wochen waren die Tiere dann aber in der Lage, Rottöne richtig zu interpretieren. Seither sind mehr als zwei Jahre vergangen, ohne dass diese Eigenschaften wieder verloren gingen.

Das sind ausgezeichnete Voraussetzungen für eine Gentherapie der Farbenblindheit beim Menschen, deren Umsetzung allerdings gründlich überdacht werden muss. Denn die häufigsten Formen, verschiedene Varianten der Rot-Grün-Schwäche (Männer 1:12, Frauen 1: 230), stellen im Alltag keine wesentliche Beeinträchtigung dar. In dieser Situation sind die Anforderungen an die prozedurale Sicherheit (Infektionsrisiko bei Injektionen in den Augapfel) extrem hoch, und auch die langfristigen Folgen (Induktion eines Tumorwachstums) müssen bedacht werden.

Hauswirth möchte klinische Studien deshalb zunächst bei der autosomal rezessiven Achromatopsie durchführen, einer relativ seltenen (1:30.000) Variante der Farbenblindheit, die mit einer starken Beeinträchtigung der Sehstärke einhergeht. Eine breite Anwendung der Gentherapie bei der Rot-Grüne-Schwäche steht derzeit nicht zur Debatte. © rme/aerzteblatt.de

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