Medizin

Rauchverbot senkt Herzinfarktrate um ein Drittel

Mittwoch, 23. September 2009

San Francisco/Kansas City – Die Auswirkungen des Rauchverbots am Arbeitsplatz und in öffentlichen Gebäuden sind positiver als erwartet. Nach einer Meta-Analyse in Circulation (2009; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.109.870691) kommt es bereits im ersten Jahr zu einem Rückgang der Hospitalisierungen am Herzinfarkt. Nach drei Jahren sinkt die Rate um ein Drittel.

James Lightwood von der Universität von Kalifornien in San Francisco hat in einer Meta-Analyse die Daten aus 13 Studien aus Nordamerika, Italien, Schottland und Irland ausgewertet. Dort wurden gesetzliche Rauchverbote erlassen, welche die Bevölkerung vor den Auswirkungen des Passivrauchens schützen sollen.

Diese Regelungen sind in weiten Kreisen der Bevölkerung unbeliebt und der gesundheitliche Nutzen wurde verschiedentlich infrage gestellt. Doch die Ergebnisse von Lightwood zeigen über alle Studien hinweg eine konsistente Reduktion in der Zahl der Hospitalisierungen mit der Diagnose Herzinfarkt.

Bereits im ersten Jahr nach Einführung des Rauchverbots sinkt die Rate um 17 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 13 bis 20 Prozent). Zu dem gleichen Ergebnis kommt auch David Meyers von der Universität in Kansas City, der im Journal of the American College of Cardiology (JACC 2009; 54: 1249-1255) einen Rückgang der Inzidenzrate um 17 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 8 bis 25 Prozent) ermittelt.

Nach Angabe der European Society of Cardiology sinkt die Zahl der Hospitalisierungen in den Folgejahren weiter ab. Nach drei Jahren liege der Rückgang bei etwa 36 Prozent, heißt es in der Pressemitteilung.

Dort werden auch einige weitere Studien aus den letzten Monaten und Jahren zu den positiven Auswirkungen zitiert. So hatte Christian Heiss von der RWTH Aachen herausgefunden, dass Passivrauchen innerhalb von nur 24 Stunden eine anhaltende Funktionsstörung des Endothels bewirkt, die mit der Pathogenese des Herzinfarkts in Beziehung stehen könnte (JACC 2008; 51: 1760-1771), auch wenn die Zusammenhänge bisher noch nicht abschließend geklärt sind.

Dass sich das Rauchverbot positiv auswirkt, lässt sich aus verschiedenen Statistiken ablesen. Aus den Heart Disease and Stroke Statistics (2009 Update) der American Heart Association geht hervor, dass Nichtraucher, die zu Hause oder am Arbeitsplatz Passivrauch ausgesetzt sind, ein um 25 bis 30 Prozent erhöhtes Risiko auf eine Herzerkrankung haben.

Aus verschiedenen europäischen Ländern ist ein Abfall der Herzinfarktrate nach Einführung des Rauchverbots gemeldet worden. Er betrug 15 Prozent in Frankreich, 11,2 Prozent in Italien und 11 Prozent in Irland. In Schottland waren es nach einer Studie im New England Journal of Medicine (Pell et al. NEJM 2008; 359: 482-491) 17 Prozent im ersten Jahr.

In England, wo damals noch in Pubs geraucht werden durfte, ging die Rate nur um 4 Prozent zurück, was eine Erklärung durch andere Faktoren außer dem Passivrauchen weitgehend ausschließt. Zumal in England nach ersten Zahlen seit dem dortigen Rauchverbot ab Juli 2007 ebenfalls ein stärkerer Rückgang der Herzinfarkte verzeichnet wird. In Island sollen die Hospitalisierungen in den ersten fünf Monaten nach Einführung des Rauchverbots im Juni 2007 sogar um 21 Prozent gesunken sein. © rme/aerzteblatt.de

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