Medizin

Ermutigende Ergebnisse mit HIV-Impfstoff

Donnerstag, 24. September 2009

Bangkok – Die Kombination zweier zuvor erfolgloser Vakzine hat in der bisher größten klinischen Studie zu HIV-Impfstoffen überhaupt die Rate der Neuinfektionen um fast ein Drittel gesenkt. Das Ergebnis war statistisch signifikant, lässt aber viele Fragen offen.

In der RV144-Studie hatten seit Oktober 2003 in Thailand 16.402 Rekruten zwei Impfstoffe oder Placebo erhalten. Es handelt sich um den Impfstoff Alvac-HIV von Sanofi-Pasteur, ein Canarypox–Virus, das drei Proteine des HI-Virus exprimiert. Dieser Impfstoff wurde als „Primer“ dreimal (nach 0, 3 und 6 Monaten) verabreicht.

Als „Booster“ erhielten die jungen Männer und Frauen zweimal (nach 3 und 6 Monaten) den Impfstoff Aidsvax (von Genentech entwickelt, jetzt in Lizenz von Global Solutions for Infectious Diseases), der ein Oberflächenprotein (gp120) des Virus exprimiert. Die beiden Impfstoffe waren auf die in Südostasien am meisten verbreiteten Subtypen B und E des HI-Virus zugeschnitten.

Alle Teilnehmer der Studie wurden über die HIV-Infektionsrisiken aufgeklärt und angehalten, sich beim Sex zu schützen. Dennoch infizierten sich in den folgenden 3 Jahren 125 der 16.402 Rekruten.

Davon entfielen 74 auf den Placeboarm und 51 auf den gleich großen Impstoffarm. Das ergibt, wie die Gruppe um Supachai Rerks-Ngarm vom Thailändischen Gesundheitsministerium erklärte, eine Reduktion des Infektionsrisikos um 31,2 Prozent – weitere Einzelheiten sollen im Oktober auf einer Konferenz in Paris vorgestellt werden.

Damit blieb die kombinierte Vakzine weit hinter den Erwartungen zurück, die gemeinhin an eine Impfung gestellt werden. Als Mindestanforderungen gelten eine Schutzwirkung von 70 bis 80 Prozent. Unklar ist auch, warum der Impfstoff bei den Teilnehmern, die sich mit HIV infizierten, nicht die Spur einer Schutzwirkung erzielte.

Man hätte erwartet, dass die Antikörper die Virusvermehrung zumindest einschränken. Doch die Viruskonzentration war nicht geringer als bei den Infizierten aus dem Placeboarm. Auch hier darf man auf die Details in der noch ausstehenden Publikation gespannt sein.

Beide Impfstoffe haben in früheren Studien versagt. Alvac-HIV war in Frankreich, Thailand, Uganda und den USA getestet worden. Er erwies sich als sicher, aber ineffektiv. Aidsvax war an Drogenkonsumenten in Thailand und an homosexuellen Männern in Nordamerika und Europa untersucht worden, ebenfalls ohne Erfolg. Warum die Kombination der beiden Impfstoffe jetzt erfolgreich war, wird ebenfalls noch Gegenstand von Spekulationen sein.

Schließlich ist unklar, ob der Impfstoff in Europa und Nordamerika, wo allein der Subtyp B dominiert, die gleichen Ergebnisse erzielen würde, die wie gesagt, nicht gut genug ausfielen, um eine Zulassung zu rechtfertigen, die derzeit von den Herstellern offenbar auch nicht angestrebt wird.

Das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), neben der US-Armee und den Herstellern einer der Sponsoren, begrüßte die Ergebnisse als einen wichtigen Schritt in Richtung auf einen effektiven Impfstoff. Von einen Durchbruch mochte deren Leiter, Anthony Fauci, jedoch nicht sprechen.

Die Weltgesundheitsorganisation und das AIDS-Programm der Vereinten Nationen in Genf gratulierten „den leitenden Forschern, Sponsoren und den Probanden, die dieses ermutigende Ergebnis möglich gemacht haben“.

Die neuen Ergebnisse hätten der Forschung nach einem HIV-Impfstoff „neue Hoffnung eingeflößt“, auch wenn auf Grundlage der bisherigen Resultate noch keine Genehmigung für den Impfstoff erteilt werden könne. Weitere Studien müssten zeigen, ob der Impfstoff in anderen Teilen der Welt die gleiche Wirkung zeige.    

Die Deutsche Aidsstiftung bezeichnete den Impfstoff als entscheidenden Schritt nach vorn. „Es ist das erste Mal überhaupt, dass ein Test am Menschen gezeigt hat, dass Impfstoffkandidaten tatsächlich einen Schutz aufgebaut haben“, sagte Geschäftsführer Ulrich Heide dem Sender MDR Info.

Bisher habe das nur bei Tierversuchen funktioniert. Der Direktor der Französischen Behörde für Aidsforschung (Anrs), Jean-François Delfraissy, erklärte hingegen, eine Reduktion der Ansteckungsgefahr um 31 Prozent sei „viel zu wenig“.  

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Derzeit werden noch 30 weitere mögliche Aids-Impfstoffe getestet. Die Hoffnungen der Wissenschaftler hatten 2007 einen herben Rückschlag erlitten, als die Erprobung eines zunächst vielversprechenden Impfstoffs des US-Pharmaunternehmens Merck gestoppt wurde, weil er sich als unwirksam herausstellte. Aids wurde 1981 erstmals als Krankheit erkannt. Seitdem starben mindestens 25 Millionen Menschen an den Folgen der Infektion, 33 Millionen weitere sind infiziert. © rme/afp/aerzteblatt.de

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adonis
am Freitag, 25. September 2009, 07:56

Spannend

Obwohl ich mich freuen würde, dass ein Durchbruch gelungen sei, würde ich 1000:1 wetten, dass es sich hier um eine statistische Ente handelt. Das ist wie mit den Störchen und den Geburtszahlen in D in den 60zigern.
5.000 News Medizin

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