Brüssel – Ein Großteil der Menschen, die sich ohne Papiere im Ausland aufhalten, ist nicht ausreichend medizinisch abgesichert. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie reichen von restriktiven Vorschriften im Einwanderungsland über Informationsmängel, finanzielle Hürden, administrative Zwänge bis hin zu diskriminierenden Praktiken bei der gesundheitlichen Versorgung. Dies ergab eine Untersuchung im Auftrag der Organisation „Ärzte der Welt“.
Insgesamt nahmen 1.218 erwachsene Personen in elf europäischen Ländern an der Untersuchung teil, 24 davon in Deutschland. Die befragten Personen stammten aus 97 verschiedenen Nationen.
Knapp 70 Prozent der Papierlosen sehen sich der Umfrage zufolge mit Hindernissen hinsichtlich der medizinischen Versorgung konfrontiert. Als wesentliche Hürde nannten die Befragten undurchsichtige Strukturen des Gesundheitssystems im Aufenthaltsland sowie administrative Schwierigkeiten, wie zu erbringende Nachweise, ungünstige Öffnungszeiten und unklare Zuständigkeiten der Behörden.
Die Kosten der Behandlung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. 59,4 Prozent nannten dies als Grund für eine unzureichende Behandlung. Die Betroffenen sind zum Teil aber über ihre Rechtsansprüche auf Versorgung und Kostenübernahme schlicht nicht informiert, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung. Dies gilt für etwa ein Viertel der Personen, die grundsätzlich Anspruch auf Kostenübernahme ihrer medizinischen Behandlungen haben.
Viele Papierlose hält ferner die Angst vor Aufdeckung ihres illegalen Status oder gar Verhaftung davon ab, zum Arzt zu gehen. Erfahrungen mit Rassismus oder Diskriminierung in medizinischen Einrichtungen machen Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung vor allem in Schweden, dem Vereinigten Königreich und in den Niederlanden. In Deutschland geht die Quote gegen Null.
Die Unsicherheiten und Risiken bei der gesundheitlichen Versorgung haben dazu geführt, dass 41 Prozent der Befragten in den zwölf Monaten vor der Befragung auf medizinische Leistungen verzichtet haben.
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