Drogen: Erfolgreiche Behandlungsansätze in England
Freitag, 2. Oktober 2009
London – Die in den letzten Jahren ausgeweiteten staatlichen Programme zur Methadon-Substitution von Heroinabhängigen und zur psychosozialen Betreuung von Crack-Konsumenten in England zeigen offenbar Wirkung. Nach einer Studie im Lancet (2009; doi: 10.1016/S0140- 6736(09)61420-3) gelingt es vielen Abhängigen, den Konsum einzuschränken oder sogar abstinent zu leben.
Auf 1.000 Erwachsene im Erwerbsalter kommen in England etwa acht Heroin- und fünf Crackkonsumenten. Der staatliche Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) bietet den Heroinabhängigen landesweit die Teilnahme an Methadonprogrammen an. Da eine entsprechende Behandlung für Kokainabgängige nicht besteht, werden die Crack-Konsumenten in erster Linie psychosozial betreut, was auch den Heroinabhängigen offen steht. John Marsden vom King’s College in London hat die Ergebnisse von 14.656 Teilnehmern dieser Programme untersucht.
Das Ergebnis: 42 Prozent der Heroinabhängigen gaben an, dass sie in den vergangen 28 Tagen keine Drogen mehr konsumiert hätten. Weitere 29 Prozent hatten den Konsum reduziert. Von den Crack-Abhängigen hatten 57 Prozent den Kokainkonsum und 8 Prozent die Drogenmenge reduziert. In beiden Gruppen war die Abstinenzrate größer, wenn die Abhängigen nur eine der beiden Drogen konsumiert hatten. Ein Mischkonsum verschlechterte die Erfolgschancen.
In einer anderen Auswertung hatten Heroinabhängige den Drogenkonsum während eines Monats von 23 auf 8 Tage gesenkt. Die Crackkonsumenten reduzierten den Konsum von 13 auf 5 Tage.
Das National Drug Treatment Monitoring System (NDTMS), das die Therapieprogramme koordiniert, ist mit den Ergebnissen hoch zufrieden. Erfreut war ein Mitarbeiter auch darüber, dass es bei den Mischkonsumenten zu einem gewissen Rückgang gekommen war.
Die Zahl der Abhängigen, die an den Programmen des NHS teilnehmen, ist in den letzten Jahren gestiegen. Die Behörden schätzen, dass 60 Prozent der Abhängigen erreicht werden. Die Kosten für die Therapie werden mit 3.000 bis 5.000 britischen Pfund pro Abhängigen und Jahr angegeben. Nach Ansicht Marsdens sind aber die Einsparungen für die Gesellschaft, etwa durch die Verringerung der Beschaffungskriminalität, fast zehnfach höher.
Der Kommentator Thomas McLellan, Vizedirektor des White House Office of National Drug Control Policy in Washington, schreibt, es setze sich langsam die Erkenntnis durch, dass das Drogenproblem nicht durch die Verordnung von kurzfristigen Entzugstherapien zu lösen sei. Die Abhängigkeit sei vielmehr eine chronische Erkrankung vergleichbar dem Diabetes und der Hypertonie. Viele Patienten würden eine langjährige Therapie benötigen.
© rme/aerzteblatt.de
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