Göteborg – Einem Schlaganfall geht häufig eine Lebensphase mit erhöhtem Stress voraus. Diese in der Bevölkerung verbreitete Ansicht wird jetzt erstmals durch eine Fall-Kontroll-Studie im BMC Medicine (2009, 7: 53) bestätigt. Stresserlebnisse gingen dort mit einem bis zu vierfach erhöhten Schlaganfallrisiko einher.
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Berichte über eine vermehrte Stressbelastung vor einem Schlaganfall werden gerne als selektive Wahrnehmung abgetan oder als der Versuch der Patienten oder oder ihrer Angehörigen, eine rationale Erklärung für eine schicksalhafte Erkrankung zu finden.
Diese Kritik trifft in der Regel auch Fall-Kontroll-Studien, wie die von Katarina Jood von der Universität Göteborg. Die Neurologin hat die Daten von 600 Schlaganfallpatienten ausgewertet, die in einem Fragebogen ihren persönlichen Stress im Jahr vor dem Insult bewerteten.
Die Schlaganfallpatienten gaben dreieinhalbfach häufiger eine vermehrte Belastung an (Odds Ratio 3,49). Dies allein auf eine (verständliche, aber nicht zutreffende) Rationalisierung des Ereignisses durch die Patienten zurückzuführen, wäre jedoch zu einfach. Sie würde, wie die Autorin betont, nicht die deutlich unterschiedlichen Odds Ratios in den Schlaganfalltypen erklären.
Patienten mit einer atherosklerotischen Erkrankung der großen Gefäße gaben Stressereignisse 3,91-fach häufiger an als Kontrollen, bei den Patienten mit einer Erkrankung der kleinen Gefäße erhöhte Stress das Risiko um den Faktor 3,20. Beim kryptogenen Schlaganfall, wo die Ursache unklar ist, betrug die Odds Ratio sogar 4,03. Beim kardioembolischen Schlaganfall, bei dem in der Regel ein nicht durch Stressereignisse beeinflusstes Vorhofflimmern, den Insult auslöst, war Stress dagegen kein signifikater Risikofaktor.
Erklärungen für eine Stress-Ätiologie des Schlaganfalls lassen sich schnell finden. Es könnte sein, dass der Stress ein ungesundes Verhalten wie Rauchen oder körperliche Inaktivität fördert. Es könnte aber auch über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse zu einer vermehrten Freisetzung von Stresshormonen und dadurch zu Stoffwechselstörungen und einer Hypertonie kommen.
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