San Francisco – Die Unkenntnis über die Risiken einer hochdosierten Aspirintherapie könnte ein Grund für die ungewöhnliche hohe Letalität der Spanischen Grippe gewesen sein, vermutet eine US-Infektiologin in Clinical Infectious Diseases (Online).
Das 1899 eingeführte Aspirin gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts zu den beliebtesten Medikamenten. Es wurde auch bei der Grippe eingesetzt und Bedenken hinsichtlich einer Toxizität bei hohen Dosierungen gab es in den Jahren 1918/19, als die Spanische Grippe weltweit die Krankenhäuser füllte, nicht.
Die Infektiologin Karen Starko aus Burlingame, einem Stadtteil San Franciscos, ist bei ihren Recherchen auf den Krankenbericht eines Grippeopfers gestoßen, der gestorben war, nachdem er wiederholt mit einer „halben Handvoll“ Aspirin behandelt worden war. Die genaue Dosis wird in dem Bericht nicht angegeben. Sie dürfte aber weit oberhalb des therapeutischen Bereichs gelegen haben, vermutet Starko.
In diesem Fall könnte die Therapie dem Grippekranken mehr geschadet als genutzt haben. Jedenfalls war den Ärzten damals nicht bewusst, dass Aspirin in toxischen Dosierungen bei jedem dritten Patienten eine Hyperventilation auslöst.
Bei 3 Prozent kommt es zu einem Lungenödem. Die Autorin verweist auf eine aktuelle Autopsiestudie, die bei fast jedem zweiten Opfer einer Aspirin-Überdosierung ein Lungenödem nachwies.
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